Knapp zwei Jahre ist es her, da war ich bei einer Beringungs- und Besenderungs-Aktion von Störchen auf dem Affenberg Salem dabei. Auf dem Kassenhäuschen wurden drei junge Störche ausgesucht, die mit einem Sender ausgestattet wurden. Einer von ihnen ist, als er aus dem Horst geholt werden sollte, plötzlich losgeflattert und landete direkt in meinen Armen. Ich habe ihn gepackt und eingefangen – eine Begegnung, die etwas ganz Besonderes war.

Er wurde zum Seewoche-Storch. Seitdem gibt es bei mir auf dem Handy die App „Animal Tracker“. Denn darüber kann der Standort des Storches zeitnah verfolgt werden. Durch eine Seewoche-Aktion bekam er den absolut passenden Namen Kassanova – der neue Storch vom Kassenhäuschen. Mit Wehmut habe ich im Herbst 2020 verfolgt, wie er auf seinen ersten Zug in den Süden startete. Seine beiden Geschwister leben mittlerweile nicht mehr. Doch Kassanova segelte bis nach Marokko.

Im März des Folgejahres kam er wieder zurück nach Deutschland. Allerdings flog er über das Rheintal, Stuttgart und Allgäu bis kurz vor München. Im Herbst ging es erneut nach Marokko. Als Kassanova im Frühjahr erneut in Richtung Norden flog, war die Hoffnung groß, dass er zurück an den Bodensee kommt. Diese Hoffnung wurde zwar nicht erfüllt, doch seit knapp zwei Monaten ist klar, dass Kassanova in Altusried eine Partnerin und einen Horst gefunden hat.

Und am Sonntag war der große Tag. Ich bin nach Bayern gefahren. Durch die App „Animal Tracker“ wusste ich, wo der Horst ist. Kaum angekommen, flog er auch schon majestätisch an. Ich zückte sofort den Fotoapparat und vergewisserte mich: Der Ring am Bein war klar zu erkennen und die Nummer A6W33 gab die Gewissheit: Es ist Kassanova. Es ist der Storch, den ich vor knapp zwei Jahren im Arm hatte. Und da musste ich doch glatt eine Freudenträne verdrücken.