Flaschen im Wasser sind häufig sorglos weggeworfener Müll. Es steckt aber nicht immer Umweltverschmutzung dahinter. Es ist zwar in der modernen Zeit von E-Mail und Sozialen Netzwerken deutlich seltener geworden, aber es gibt auch heute noch die eine oder andere Flaschenpost. Wer also einen Uferspaziergang unternimmt, kann, wenn er Glück hat, eine solche Seltenheit finden.

Der Fund einer Weißweinflasche

Genau das ist Ulrike und Bernd Oehme passiert. Das Ehepaar aus Herdwangen war in Sipplingen zu einem Spaziergang am Ufer unterwegs. Die Sonne schien und es war für einen Februar-Nachmittag herrlich warm. Als die beiden gemütlich schlenderten, fiel ihnen plötzlich eine Weißwein-Cuvée-Flasche auf, die ganz offensichtlich ans Ufer angeschwemmt worden war. Schon von Weitem war zu sehen, dass es keine leere Flasche ist und dass keine Flüssigkeit darin war.

Faszination Flaschenpost

Ulrike und Bernd Oehme schauten natürlich gleich nach, was es mit der Flasche auf sich hatte. Je näher sie kamen, umso klarer wurde es: Es war tatsächlich eine Flaschenpost! „Natürlich waren wir unheimlich gespannt, was sich in der Flasche verbarg“, berichtet Ulrike Oehme. „Man hat sofort gesehen, dass es nicht nur ein Blatt war.“ Die „Faszination Flaschenpost“ packte die beiden. Wer ist wohl der Absender? Was möchte der Verfasser mitteilen? Wo wurde die Flaschenpost losgeschickt?

Fragen über Fragen, die sich nur dadurch klären lassen, wenn man die Flaschenpost öffnet. Und dies gestaltete sich dann etwas schwieriger, denn letztlich kamen fünf DinA4-Seiten heraus. Das Bemerkenswerte daran: Sie waren alle handschriftlich beschrieben. „Es ist eine wirklich berührende Geschichte, die die Absenderin auf die Reise geschickt hat“, erzählt Ulrike Oehme. Wo die Flasche in den Bodensee geworfen wurde, konnte nicht herausgefunden werden, aber die Absenderin stammt ganz offensichtlich aus Tuttlingen. Auf den fünf Seiten erzählt sie eine Geschichte, die einem wirklich nahe geht.

Am Sipplinger Bodenseeufer fanden Ulrike und Bernd Oehme aus Herdwangen eine Flaschenpost, die eine ganz besondere fünfseitige Liebesgeschichte beinhaltete
Am Sipplinger Bodenseeufer fanden Ulrike und Bernd Oehme aus Herdwangen eine Flaschenpost, die eine ganz besondere fünfseitige Liebesgeschichte beinhaltete Bild: Sandra Häusler

Die Liebesgeschichte

Die ausführliche Geschichte beginnt mit den Worten: „Lieber Leser, hier ist eine ganz besondere Geschichte über zwei Menschen, die eine wunderschöne Zeit miteinander hatten. Leider wirst du die Geschichte nur von einer Seite hören, da diese zwei Menschen jetzt getrennte Wege gehen…“ Die Frau aus Tuttlingen hatte im Sommer 2021 einen Mann aus Liechtenstein „mit dem schlechtesten Anmachspruch, den du dir denken kannst“ über die Dating-App „Lovee“ kennengelernt. Beide wollten zunächst ganz offensichtlich nur eine lockere Beziehung, wie die Verfasserin anmerkte.

Aber wie es dann eben auch in den besten Liebesschnulzen ist, empfindet dann einer von beiden doch etwas mehr für den anderen. In diesem Fall war das die Frau aus Tuttlingen. Allerdings wusste sie nicht, was sie tun sollte und hielt sich an die Abmachung der lockeren Beziehung – noch schlimmer: Sie teilte ihrem Angebeteten ihre Gefühle nicht mit. Und genau dies bereue sie heute zutiefst.

Die Verfasserin schildert verschiedene romantische Begegnungen der beiden. Einmal haben sie sich auf einem Aussichtpunkt getroffen und die Sterne am Himmel beobachtet. Sie reiste ganz offensichtlich auch nach Liechtenstein, um ihre Liebe auch dort zu besuchen. Beide erlebten gemeinsam ein eindrucksvolles Feuerwerk. Genau der Stoff, der durchaus auch aus einem kitschigen Liebesroman stammen könnte. Die Gefühle bei der Schreiberin der Flaschenpost schienen immer intensiver zu werden, doch sie wurden nicht erwidert, ganz im Gegenteil: Der Angebetete teilte ihr mit, dass er nicht mehr zu ihr fahren und er auch keine lockere Beziehung mehr wolle. So wurden die Treffen immer weniger und schließlich brach der Kontakt vollends ab.

Emotionen pur

Über mehrere Seiten schüttet die Frau aus Tuttlingen ihr Herz aus. Sie schildert ihre Gefühle, den Prozess vom Kennenlernen bis zum Ende der Beziehung. Immer wieder ist zwischen den Zeilen zu lesen, dass sie die Trennung bis heute immer noch nicht überwunden hat. Am Ende ihrer Geschichte schreibt sie, dass man doch immer zu seinen Gefühlen stehen solle: „…Wer auch immer das liest, ich wünsche dir ganz viel Kraft für Herzschmerz und glaub‘ mir, irgendwann kommt jemand, der dich genauso will wie du ihn.“

Die besten Wünsche

Natürlich wünscht die Seewoche-Redaktion der Verfasserin ganz viel Kraft zum Überwinden dieser emotionalen Situation und hofft, dass die Frau aus Tuttlingen möglichst bald wieder einen Mann trifft, der ihre Gefühle erwidert. Und eines ist auch klar: Es muss ein Zeichen sein, dass diese Flaschenpost ausgerechnet kurz vor dem Valentinstag, dem Tag der Liebe, an Land gespült und von Ulrike und Bernd Oehme aus Herdwangen gefunden wurde.