Emmer ist ein uraltes Korn: Er gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und wurde vor Tausenden von Jahren aus Wildgräsern entwickelt. Selbst in der Zeit der Pharaonen diente er als Brotgetreide. Als vor etwa 13.000 Jahren die Menschen in unserer Region sesshaft wurden, zählte der Emmer in Sachen Ackerbau zum gängigsten Getreide. Allerdings kommt das Zweikorn nicht aus Europa. Die Ursprünge hat er im Vorderen Orient. In der Jungsteinzeit fand man den Emmer dort in nahezu jeder Siedlung als Hauptgetreide.

Die Spelzen und das Korn des Emmer sind nur schwer zu trennen.
Die Spelzen und das Korn des Emmer sind nur schwer zu trennen. Bild: pixabay

Der Weg nach Europa

Vermutlich waren es die Legionäre aus Rom, die den Emmer von Ägypten nach Italien brachten und ihn zum wichtigsten Brotgetreide etablierten. Ab etwa 5000 vor Christus diente er auch in Deutschland als Ernährungsgrundlage, wurde jedoch ab dem Mittelalter von ertragsstärkeren Getreidearten wie Dinkel und Weichweizen nach und nach verdrängt.

Zwei Körner pro Ähre

Der Emmer wächst mit bis zu 1,50 Metern deutlich höher als Weizen oder Roggen und zeichnet sich durch zwei Körner pro Ährchen aus. Diese sind von sogenannte Spelzen umgeben. Das ist eine Hülle, die das Korn vor schädlichen, äußeren Umwelteinflüssen wie Verschmutzungen aus der Luft oder vor Krankheiten schützt.

Der Emmer gehört zur Familie des Weizen und ist eines der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit.
Der Emmer gehört zur Familie des Weizen und ist eines der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Bild: pixabay

Allerdings kann dieser Spelz auch durchaus ein Nachteil sein, denn das Korn muss mit einem zusätzlichen Verarbeitungsschritt von seiner Hülle getrennt werden. Hier setzte sich später deshalb der Weizen durch, weil dieser bereits beim Dreschen seinen Spelz verliert. Vor allem die industrialisierte Landwirtschaft des 20. Jahrhunderts nahm ertragsstarke und einfach zu verarbeitende Getreidearten in den Fokus, wodurch der Emmer auf den Äckern in Deutschland nahezu verschwand.

Der Weg zurück auf die Äcker

Etwa drei Viertel der deutschen Ackerfläche werden heutzutage von nur fünf Kulturen dominiert: Weizen, Gerste, Mais, Raps und Roggen. Diese starke Einschränkung der Nutzpflanzen-Vielfalt erhöht allerdings die Gefahr von Krankheiten und Schädlingen, was einen höheren Einsatz von Pestiziden nötig macht und die Artenvielfalt von Wildpflanzen und -tieren reduziert. Dank engagierten Mühlen und Landwirten, Saatzuchtanstalten und Forscher werden inzwischen immer häufiger unterschiedliche Emmer- und andere Urkornsorten angebaut. Dies führt zu einer erhöhten Biodiversität auf den Äckern.