Es geht um das Leben und den Wein – und darum, den Alltag des Krieges einmal hinter sich zu lassen: Christophe Lacarin ist ein französischer Winzer, der im ukrainischen Dorf Shabo lebt, das etwa 60 Kilometer von Odessa entfernt liegt. Der 68-jährige Winzer und Parfümeur ist trotz der aktuell schwierigen Situation im Land und bei seinen Reben geblieben. Das Weingut liegt nur zehn Kilometer von der Eisenbahnbrücke entfernt, die seit Kriegsbeginn mehr als ein dutzend Mal von der russischen Armee beschossen wurde.

Christophe Lacarin trotzt aber nicht nur der Gefahr, sondern veranstaltet auf seinem kleinen Weingut sogar ein Weinfest für die Einheimischen. Dabei können die Gäste seinen jungen Wein probieren, einen Snack genießen und vor allem ihre Gedanken vom Krieg abwenden. „Ich habe das bislang jedes Jahr gemacht, dass ich am ersten Sonntag im Oktober ein Weinfest feiere“, sagt er. „Deshalb findet es auch dieses Jahr statt.“

Der Franzose Christophe Lacarin währen des Weinfestes auf seinem Weingut.
Der Franzose Christophe Lacarin währen des Weinfestes auf seinem Weingut. Bild: Sergey Panashchuk

Minimalist aus Überzeugung

Von Beruf ist er Winzer und Parfümeur, wobei Christophe Lacarin seine Weinherstellung tatsächlich als „großes Hobby“ bezeichnet. Er arbeitete zwei Jahre als Parfümeur in der Ukraine in einem Lemberger Unternehmen, dann kam er in die Region Odessa. 2005 kaufte er hier die ersten Weinberge. Das Weingut befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen deutsch-schweizer Siedlung. Das Haus ist bis heute vollständig erhalten.

Dabei lebt der 68-Jährige nach einem vorbildlichen Lebensmotto: „Man muss tun, was einen glücklich macht.“ Und genau deshalb macht er Wein. Der Weinbau ist eine seiner größten Freuden im Leben. Deshalb produziert er den Wein nicht, um groß Geld zu verdienen. Er verkauft seinen Wein nicht an Supermarktketten, sondern nur an Privatkunden, denen er wirklich schmeckt. Und das findet er unter anderem an seinem Weinfest heraus. Christophe Lacarin heißt seine Gäste herzlich willkommen, führt sie in die Kunst des Weinkeltern ein und bietet Verkostungen an.

Christophe Lacarin bei der Weinprobe.
Christophe Lacarin bei der Weinprobe. Bild: Sergey Panashchuk

Obwohl der 68-Jährige keine finanziellen Sorgen hat, er stammt aus einer wohlhabenden aristokratischen französischen Familie, übernahm er die Prinzipien des Minimalismus. Eine Holzhütte, in der er seine Gäste begrüßt, wurde jahrzehntelang kaum renoviert, es gibt keinen Luxus, aber innen ist es warm und gemütlich. Und Christophe Lacarin ist stolz darauf, dass er den Wein auf ökologische Weise ausbaut.

Ökologischer Anbau

„Bei der Verarbeitung der Trauben werden keine Chemikalien verwendet“, betont er. „Das Weinmaterial wird aus ökologisch sauberen Trauben gewonnen.“ Die Weine reifen anschließend entweder in der Flasche oder auf Eichenbarren. Er redet aber nicht nur davon, sondern lässt die Gäste in seinem bereits über die Region hinaus bekannten Weinkeller seine Weine probieren – selbst eine ganz junge Flasche Sekt wird geöffnet.