Wir haben nachgefragt, wie häufig Feuerbestattungen sind, welche Entwicklungen es in dieser Branche gibt und wie man den eigenen Angehörigen den Abschied einfacher machen kann.

Herr Vogt, wie sehr ist das Thema „Tod“ immer noch ein Tabuthema?

Das Thema ist in den vergangenen Jahren sicherlich etwas mehr in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Es gibt aber immer noch viele, die sich erst dann mit dem Thema befassen, wenn sie davon betroffen sind. Man kann einen Abschied tatsächlich deutlich erleichtern, wenn einige Grundsatzfragen im Vorfeld geklärt sind.

Naturbelassene Urnen sind immer mehr im Trend.
Naturbelassene Urnen sind immer mehr im Trend. Bild: Jäckle, Reiner

Diese wären?

Die wichtigste Frage ist, welche Art von Bestattung gewünscht ist. In der Regel ist es eine Erd- oder eine Feuerbestattung. Dann kann auch der Ort bestimmt werden, welcher Friedhof oder Friedwald beispielsweise.

Gibt es in Sachen Bestattungen Trends?

Trend ist vielleicht das falsche Wort, aber es ist sicherlich so, dass wir mittlerweile bis zu 80 Prozent Feuerbestattungen haben. Das liegt sicherlich daran, dass die Grabpflege dann deutlich einfacher ist. Wobei es mittlerweile auch Erdbestattungen gibt, bei dem danach kaum oder keine Pflege notwendig ist.

Kennen Sie das Problem Lieferschwierigkeiten, was Urnen oder Särge angeht?

Das haben wir durchaus gespürt. Allerdings hat das vor allem unsere Lieferanten getroffen. Da wir unsere Särge aus dem Schwarzwald beziehen und ausschließlich heimische Hölzer verwenden, haben wir keine ernsthaften Probleme bekommen.

Heinz Vogt (Zweiter von links) leitet das gleichnamige Bestattungs-Institut gemeinsam mit seiner Mutter Elfriede (Zweite von rechts), seinem Bruder Herbert (rechts) und seiner Frau Bianca Vogt (links) in der dritten Generation.
Heinz Vogt (Zweiter von links) leitet das gleichnamige Bestattungs-Institut gemeinsam mit seiner Mutter Elfriede (Zweite von rechts), seinem Bruder Herbert (rechts) und seiner Frau Bianca Vogt (links) in der dritten Generation. Bild: Bestattungsinstitut Vogt

Gibt es Entwicklungen, welche Särge oder Urnen gewünscht werden?

Vor allem bei den Urnen steht das Thema Nachhaltigkeit ganz weit oben. Früher wurde in der Regel ein zersetzbares Stahlblech verwendet. Heute entscheiden sich die meisten für ein Naturstoffmaterial wie Zellstoff oder sogar eine reine Holzurne.

Gibt es bei Ihnen eine Zeit der Hochkonjunktur?

Das kann man nicht pauschalisieren, aber es gibt tatsächlich in jedem Jahr einen Monat, in dem nicht so viele Menschen sterben. Der variiert aber. Viele denken, dass im Herbst mehr Leute sterben. Das können wir aber so nicht bestätigen. Was im Herbst aber deutlich zunimmt, ist die Nachfrage der Vorsorge.

Was ist das?

Dabei geht es darum, dass man zu Lebzeiten entscheidet, wie und wo die Beerdigung erfolgen soll. Es ist möglich, alles im Vorfeld zu regeln von Art der Bestattung, dem Sarg oder der Urne bis zur Trauerfeier, den Blumen, der Musik und allem, was dazugehört.

Naturbelassene Urnen sind immer mehr im Trend.
Naturbelassene Urnen sind immer mehr im Trend. Bild: Jäckle, Reiner

Wie sieht so etwas aus?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Man kann sich informieren oder bei uns auf der Internetseite einen Vorsorge-Planer ausdrucken, ihn ausfüllen und einfach hinterlegen. Man kann die ganze Beerdigung aber auch finanziell bereits zu Lebzeiten absichern, indem man einen Bestattungs-Vorsorge-Vertrag abschließt.

Welche Vorteile hat der?

Wenn es einen solchen Vertrag gibt, dann ist das Geld fix für die Bestattung vorgesehen. Wenn derjenige dann am Lebensabend in ein Pflegeheim kommen sollte, hat auch das Sozialamt keinen Zugriff darauf. Das heißt, bei einem solchen Vertrag ist die Beerdigung, wie man sie sich wünscht, garantiert.

Kann man solch einen Vertrag auch wieder auflösen?

Aber klar. Es kann ja sein, dass man wegzieht oder woanders begraben werden möchte. Dann wird dieser Bestattungs-Vorsorge-Vertrag einfach aufgelöst.

Woran liegt es, dass im Herbst vermehrt Menschen auf Sie zukommen und vorsorgen wollen?

Ich gehe davon aus, dass da Allerheiligen und eben auch der Totensonntag eine Rolle spielen. An diesen Tagen steht der Tod vermehrt im Fokus und viele Menschen machen sich Gedanken darüber.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Wir führen das Unternehmen in der dritten Generation. Mein Großvater hat es gegründet, mein Vater weitergeführt, und als er viel zu früh starb, ich war damals 18 Jahre alt, haben meine Mutter, mein Bruder und ich unser Bestattungs-Institut weitergeführt.

Naturbelassene Urnen sind immer mehr im Trend.
Naturbelassene Urnen sind immer mehr im Trend. Bild: Jäckle, Reiner

Gibt es Momente, die Sie in Ihrem Job sogar glücklich machen?

Die gibt es tatsächlich. Es sind die Momente, wenn wir den Angehörigen von Verstorbenen helfen und sie in einer ganz schweren Zeit stützen können. Es gehört auch zu unserer Aufgabe, den Trauernden Trost und Halt zu geben.

Das ist aber sicherlich nicht einfach, oder?

Auf keinen Fall. Es bedarf einer guten Menschenkenntnis, da es ein ganz sensibler Bereich ist. Unsere Branche ist definitiv nicht familienfreundlich, denn wir müssen quasi allzeit bereit sein. Es gibt auch keinen regulären Arbeitstag. Dafür ist er so abwechslungsreich wie kaum ein anderer.

Das hört sich definitiv danach an, dass es für Sie sehr schwierig ist, Nachwuchs zu finden.

Ich glaube, es ist aktuell überall schwierig, wobei aktuell kann ich mich nicht beschweren. Es ist aber schon so, dass man bei uns sicherlich auch einen großen Teil an Berufung braucht. Allerdings gibt es bei uns regelmäßig Anfragen zu Praktika.

Das heißt, es kommen junge Menschen und absolvieren bei Ihnen ein Praktikum?

So ist es. Und das freut uns natürlich. Es liegt sicherlich auch daran, weil unsere Arbeit extrem abwechslungsreich ist. Natürlich sind wir Dienstleister, aber eben auch Handwerker. Bei uns ist kein Tag wie der andere.

An welche Situationen oder Momente erinnern Sie sich noch ganz genau?

Kritische Situationen sind es eigentlich immer, wenn man Kinder oder Babys abholen muss. Da gibt es glaube ich keinen, dem das nicht nachgeht.

Gab es auch Kurioses?

Da erinnere ich mich an eine Situation, als wir einen Leichnam transportiert haben, der der Hindu-Religion angehörte. Da saß bei uns vorne im Auto ein Hindu-Priester mit Räucherstäbchen. Das war tatsächlich gewöhnungsbedürftig. Oder einmal haben wir jemanden nach Italien überführt. Vor Ort wartete bereits eine Gruppe, und bevor wir alle Formalitäten klären konnten, haben sie uns den Sarg aus dem Auto geholt und in die Kirche getragen. So etwas würde in Deutschland kaum passieren.

Haben Sie zum Abschluss einen Tipp für Menschen, die sich aktuell mit dem Tod auseinandersetzen?

Ich habe für alle den Ratschlag, sich damit auseinanderzusetzen. Wichtig ist, dass man darüber redet, denn es gibt nichts Schwierigeres, als sich nach dem Tod zu fragen, was hätte er denn gerne gehabt. Dadurch macht man es vor allem den Angehörigen viel einfacher, am Tag X die richtigen Entscheidungen zu fällen.

Die Fragen stellte Reiner Jäckle