Die Seewoche hat im Vorfeld mit beiden über die Themen gesprochen und nachgefragt, was die Teilnehmer erwartet.

Frau Straub, Herr Wetzel, was erwartet die Teilnehmer bei den Seewoche Vorsorge Tagen?

Hans-Peter Wetzel: Es geht um die rechtliche Vorsorge ganz nach dem Motto „Gut vorgesorgt mit Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Testament“.

Stefanie Straub: Wir wollen diese drei Formen der rechtlichen Vorsorge vorstellen und erklären, wie wichtig es ist, sich darüber wenigstens Gedanken zu machen.

Warum ist das Ihrer Meinung nach so wichtig?

Stefanie Straub: Das hat zwei Gründe: Zum einen benötige ich alle drei Formen der rechtlichen Vorsorge, um ganz sicher zu sein, dass mein Wille und meine Ideen im Falle, dass ich nicht mehr geschäftsfähig bin, auch umgesetzt werden. Und zum anderen regeln sie nach meinem Tod, wer was erbt.

Hans-Peter Wetzel: Abgesehen von den eigenen Interessen kann dadurch ein Familienstreit vermieden werden. Leider kommt es immer wieder vor, dass, wenn jemand geschäftsunfähig wird oder stirbt, in der Folge ein Familienstreit ausbricht.

Um diese Verträge geht es. Damit kann man rechtlich perfekt vorsorgen.
Um diese Verträge geht es. Damit kann man rechtlich perfekt vorsorgen. Bild: Jäckle, Reiner

Sie haben die Patientenverfügung angesprochen. Um was geht es dabei?

Stefanie Straub: Eine Patientenverfügung ist eine Willenserklärung, in der man für den Fall der Entscheidungsunfähigkeit festlegen kann, welche medizinischen Maßnahmen ergriffen werden sollen und welche nicht. So kann der Wille des Patienten im Voraus für den Fall festgelegt werden , dass er später nicht mehr geäußert werden kann.

Was passiert, wenn man so etwas nicht hat?

Hans-Peter Wetzel: In so einem Fall muss der Arzt den mutmaßlichen Willen des Patienten ermitteln. Dies ist vor allem dann extrem schwierig, wenn sich die Angehörigen nicht einig sind.

Wie sieht es mit der Vorsorgevollmacht aus?

Hans-Peter Wetzel: Hier geht es ebenfalls um die Situation, dass man nicht mehr geschäftsfähig ist und einen Betreuer benötigt, wie beispielsweise bei Demenz. Dabei bestimmt man selbst, wer sich um das Eigentum, um das Konto und alles andere kümmert.

Stefanie Straub: Es gibt noch einen weiteren Vorteil: In einer Vorsorgevollmacht kann man theoretisch mehrere Personen benennen. Wenn man keine solche Vollmacht hat, wird die Betreuung richterlich anhand eines Gutachtens angeordnet. Dies ist in der Regel nur eine Person.

Erbrechtsanwält Hans-Peter Wetzel ist am Donnerstag, 17. November, in der Online-Konferenz.
Erbrechtsanwält Hans-Peter Wetzel ist am Donnerstag, 17. November, in der Online-Konferenz. Bild: RA Wetzel & Behm

Warum ist ein Testament wichtig?

Stefanie Straub: Ein Testament regelt den Nachlass. Wenn es keines gibt, entstehen in der Regel Erbengemeinschaften, bei der jeder mitreden kann. Nur in den seltensten Fällen besteht dabei Einigkeit.

Kann man diese drei rechtlichen Vorsorgemaßnahmen auch selbst koordinieren?

Hans-Peter Wetzel: Prinzipiell ja. Allerdings ist eine juristische Beratung dringend zu empfehlen, denn es sind jeweils komplizierte Rechtsmaterien, die im Falle eines Falles auch angefochten werden können. Deshalb ist es wichtig, keine Formfehler zu machen.

Wie sehen solche Fehler aus?

Hans-Peter Wetzel: Es muss alles klar und rechtlich korrekt formuliert sein – und es darf nicht zu knapp und zu allgemein gefasst sein. Ein Name allein beispielsweise reicht nicht aus.

Auf was sollte noch geachtet werden?

Stefanie Straub: Gerade bei der Patientenverfügung und der Vorsorgevollmacht ist es wichtig, dass der Einrichter und die angewiesenen Personen ein gutes Vertrauensverhältnis haben. Man darf nie vergessen, wenn man nicht mehr geschäftsfähig ist, kann man die Entscheidung nicht mehr rückgängig machen.

Erbrechtsanwältin Stefanie Straub ist am Freitag, 18. November, in der Online-Konferenz.
Erbrechtsanwältin Stefanie Straub ist am Freitag, 18. November, in der Online-Konferenz. Bild: RA Wetzel & Behm

Warum ist der Seewoche Vorsorge Tag so wichtig?

Hans-Peter Wetzel: Eine rechtliche Vorsorge ist einfach wichtig. Es ist tatsächlich so, dass es jedes Jahr mehr vererbbares Vermögen gibt, so dass alleine schon ein Testament absolut sinnvoll ist. In diesem Fall sind wir der Seewoche natürlich dankbar, dass wir dieses Thema auf diesem Weg einer breiten Leserschaft näherbringen können.

Warum findet die Aktion in Form von einer Internet-Konferenz statt?

Stefanie Straub: Damit gibt es keinerlei Teilnehmerlimit. Zudem ist es eine ökologische Art und Weise, sich zu treffen. Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme.

Die Fragen stellte Reiner Jäckle