Wir haben mit ihr über das aktuelle Programm, die vergangenen 40 Bühnenjahre, die Zeit in der Corona-Krise und politische Korrektheit gesprochen.

Frau Fitz, Sie kommen am 14. Oktober mit ihrem Jubiläumsprogramm „Dauerbrenner“ in die Alte Fabrik nach Mühlhofen. Was erwartet die Besucher?

Eine Zeitreise durch die 60er und 70er Jahre von den Beatles bis Franz-Josef-Strauß und ein Rückblick auf meinen „Weg zum Ungehorsam“, wie auch der Titel meiner Biografie lautet. Vieles zum Lachen ist dabei und ein Blick in die Zukunft, eher nicht so lustig. Und natürlich Lieder und Musik. Es gibt jedenfalls genügend Futter für Hirn und Herz (lacht).

Sie haben ja regelmäßig Auftritte am Bodensee und waren schön häufiger in der Alten Fabrik. Wie gut gefällt Ihnen die Bühne und das Ambiente?

Ich komme sehr gerne in die Alte Fabrik. So etwas gibt es tatsächlich nicht oft. Ich mag vor allem die beiden Veranstalter Matthias Becht und Martin Möcking, sie sind extrem bemüht. Es ist echt super, wie sie sich einsetzen. Und das Publikum dort würde ich gern mit auf Tour nehmen.

Kabarettistin Lisa Fitz kommt am 14. Oktober in die Alte Fabrik Mühlhofen und feiert 40-jährigen Bühnenjubiläum mit einem „Best of“-Programm.
Kabarettistin Lisa Fitz kommt am 14. Oktober in die Alte Fabrik Mühlhofen und feiert 40-jährigen Bühnenjubiläum mit einem „Best of“-Programm. Bild: Jäckle, Reiner

Laut Ihrem Tour-Kalender haben Sie vor dem Auftritt eine Woche Pause. Nutzen Sie die Zeit zu einem Kurzurlaub am Bodensee?

Da bringen Sie mich auf eine sehr gute Idee (lacht). Eigentlich ist nichts geplant. Ich denke, das werden wir vom Wetter abhängig machen.

Sie feiern auch Ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. Gibt es Erinnerungen aus dieser Zeit, die Ihnen ganz besonders im Kopf geblieben sind?

Woran ich mich sehr gerne erinnere, sind die 90er Jahre. Das war so ein richtig schönes hedonistisches Jahrzehnt ohne Probleme, ohne Geldprobleme und mit vollen Sälen. Es war einfach super. Ganz konkret ist mir da noch das Tollwood Festival im Kopf mit 3000 Leuten, das war schon was. Oder immer, wenn die Zuschauer sehr herzlich sind und ich am Ende Standing Ovations bekomme.

Gibt es auch etwas nicht so Schönes?

Naja, da gibt es natürlich auch eine lange Liste, sei es, dass einem kurz vor dem Auftritt der Sender vom Mikro ins Klo fällt oder dass bei einer Premiere die Mikros aussetzen und der Tontechniker auf die Bühne springen und mir unter den Rock greifen musste, weil es keinen Backstage-Bereich gab. Es gibt eigentlich nichts, was es nicht gab. Darüber müsste ich wirklich mal ein Buch schreiben, Titel „on Tour“.

Wie haben Sie es geschafft, sich in diesen 40 Jahren als Frau so lange in der immer noch Männer dominierten Brache Kabarett durchzusetzen?

Mittlerweile gibt es ja viele Frauen auf der Bühne, allerdings eher im Comedy-Bereich. Im Kabarett war ich Jahrzehnte relativ konkurrenzlos. Auch heute kann man (politische) Kabarettistinnen an einer Hand abzählen. Damals hatte ich sicher auch einen Frauenbonus. Allerdings ist Bekanntheit zu erreichen das eine, sich aber oben zu halten, ist etwas ganz anderes, vor allem in unserem Metier.

Lisa Fitz als Putzfrau auf der Bühne in Mühlhofen. Am 14. Oktober ist sie wieder in der Alten Fabrik.
Lisa Fitz als Putzfrau auf der Bühne in Mühlhofen. Am 14. Oktober ist sie wieder in der Alten Fabrik. Bild: Jäckle, Reiner

Enfant terrible, Aufklärerin, Konter-Königin, Bürgerschreck und Rocklady sind alles Beschreibungen, die ich über Sie schon gelesen habe. Was gefällt Ihnen am besten?

Oh Gott, also, Enfant terrible muss ich wirklich nicht sein. Die meisten Beschreibungen ehren mich sicherlich. Momentan am besten gefällt es mir aber, wenn man von mir sagt: „Die Frau hat Rückgrat.“ Vor allem deshalb, weil es aktuell viel Anpassung, Vorsicht und mangelnden Mut gibt – nach dem Motto: „Wer kriecht, kann nicht umfallen.“ Ich finde es sehr wichtig, vor allem für Kabarettisten, aufrecht zu stehen und seine Meinung zu sagen, wobei man damit die Mitmenschen nicht vor den Kopf stoßen muss.

Ein herrliches Thema für Kabarettisten ist die aktuelle Diskussion über politische Korrektheit. Oder bestehen Sie darauf, dass ich „Kabarettistinnen“ sage?

Hierzu habe ich eine differenzierte Meinung. Was ich nicht mag, ist der aktuelle Moralismus, der verordnet wird. Auf der anderen Seite bin ich natürlich eine Kabarettistin. Ich denke, es ist schon an der Zeit, dass Frauen auch direkt angesprochen werden, aber die Lösung mit dem Doppelpunkt mitten im Wort halte ich für sprachliches Geholpere. Es soll jeder halten, wie er möchte.

Da muss doch auch die Winnetou-Debatte für Sie ein gefundenes Fressen sein, oder?

(lacht) Es gibt tatsächlich Themen, zu denen kann man nichts mehr sagen. Ich habe mir ernsthaft überlegt, was macht eigentlich jetzt Bad Segeberg mit den Karl-May-Festspielen? Wenn das so weitergeht, können die einpacken. Aber ich denke, die kümmern sich einfach nicht drum. Und diese Haltung finde ich bei manchen Themen gar nicht schlecht.

Wenn man Kabarett die vergangenen 40 Jahre betrachtet: Wie sehr hat sich das Metier in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Ein großer Einschnitt war das Privatfernsehen. Seitdem diese Sender Anfang der 80er Jahre aufkamen, gibt es eine wahre Schwemme von Comedy. Die Comedians schossen wie die Pilze aus dem Boden. Leider mit viel Flachwitz. Und der führt dazu, dass die Hirne der Menschen sozusagen versaut werden. Qualitativ gute und intelligente Kabarettisten sind rar. Nun haben auch noch Georg Schramm und Volker Pispers aufgehört – das ist echt schade.

Kabarettistin Lisa Fitz kommt am 14. Oktober in die Alte Fabrik Mühlhofen und feiert 40-jährigen Bühnenjubiläum mit einem „Best of“-Programm. Dabei kommt die Musik nicht zu kurz.
Kabarettistin Lisa Fitz kommt am 14. Oktober in die Alte Fabrik Mühlhofen und feiert 40-jährigen Bühnenjubiläum mit einem „Best of“-Programm. Dabei kommt die Musik nicht zu kurz. Bild: Jäckle, Reiner

Gab es auch inhaltlich Änderungen?

Klar. Früher war ich eher gesellschaftspolitisch, da habe ich auch über Religion und Emanzipation geredet, was heute kein vorrangiges Thema mehr ist. Eigentlich sollte man jetzt zum Islam ein Programm machen, aber das ist mir zu heikel, und mittlerweile nicht ungefährlich. In den Jahren bei der „SWR-Spätschicht-Comedybühne“ bin ich dann immer politischer geworden. Nur muss man heute gut überlegen, was man wo und wie sagt.

Wie sehr zittern Sie als Künstlerin auch aufgrund der unzähligen öffentlichen Diskussionen zum Thema Corona vor einer erneuten Schließung der Bühnen?

Ja, das ist durchaus ein Thema, wobei wir aktuell eher darüber reden, ob wir überhaupt noch heizen dürfen. Wenn jetzt wieder zig Vorstellungen ausfallen oder verschoben werden müssen, dann ist die Kultur zwar nicht tot, aber schwer krank.

Wie haben Sie die Corona-Zeit in den vergangenen zwei Jahren überstanden?

Ich bin Gott sei Dank recht gut durchgekommen. Interessant war meine Erfahrung, dass ich auch ohne Tour gut leben kann. Ich werde ohne Bühne und Zuschauer nicht depressiv (lacht). Zudem war es ein bisschen wie ein Sabbatical, das ich freiwillig nie gemacht hätte. Aber auch da habe ich die Zeit genutzt und das aktuelle Programm geschrieben. Und ich habe gelernt, sowohl vor 600 als auch vor 60 Zuschauern zu spielen.

Sie haben schon auf großen, aber auch auf ganz kleinen Bühnen gespielt. Was macht Ihnen mehr Spaß?

Ich bin sicher keine, die sagt, je kleiner die Bühne, desto intensiver das Erlebnis. Ich spiele gerne vor vielen Menschen. Aber beides hat durchaus etwas für sich. Kleinere Theater sind oft sehr knuffig.

Sie sind bekannt dafür, dass sie zu den Themen Umwelt, Politik, aber auch Alltag kein Blatt vor den Mund nehmen. Haben Sie schon Ideen für Ihr nächstes Programm?

Ja, klar und immer viel zu viele! Da stehe ich vor der Frage, ob es mehr Lieder werden sollen, die sich Viele wünschen, oder eher lustiger oder ob ich unter dem Motto: „Dann eben noch deutlicher“ noch heftiger in die Pfütze steige.

Was steht bei Ihnen ganz oben auf Ihrer To-Do-Liste für die kommenden Jahre?

Ich will immer noch ein Ferienhaus im Warmen haben. Den Wunsch habe ich schon seit 20 Jahren. Sissi Perlinger hat das in Ibiza und fährt zudem immer wieder nach Goa nach Indien. Sie hört ja Ende 2022 auf und Monika Gruber laut ihrer Aussage Ende 2023 …und ich bin dann irgendwann die letzte Kabarettistin, die die Fahne hochhält. Dann spiel ich eben weiter und brauche gar kein Ferienhaus (lacht).

Die Fragen stellte Reiner Jäckle