Bis Juni war es kein Problem, sich wann immer man wollte auf Corona testen zu lassen. Dies hat sich mit der Änderung der Testverordnung schlagartig verändert. Allerdings ist eines gleichgeblieben: So genau sagen, was wann und wo gilt, kann kaum einer. Deshalb haben wir uns einmal auf den Weg gemacht und haben in einer Überlinger Teststation nachgefragt, wie was in der Praxis gehandhabt wird.

Anzahl Getesteter sinkt stark

Seit Ende vergangenen Jahres betreiben Andreas Dold und Oliver Bleser unter anderem eine Teststation an der Überlinger Zimmerweise und in Markdorf am Waschpark. Mittlerweile wurde die Logistik dort deutlich verkleinert. „Die Anzahl der Getesteten hat natürlich stark abgenommen, seitdem viele ihre Tests selberzahlen müssen“, erklärt Andreas Dold. „Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Personen, die nach wie vor einen kostenlosen Test machen dürfen.“ Es ei aber durchaus nicht ganz einfach, sich durch die aktuelle Testverordnung durchzuarbeiten.

Andreas Dold (rechts) und Oliver Bleser vor ihrer Corona-Teststation in Überlingen. Gemeinsam betreiben sie mehrere Stationen – unter anderem auch in Markdorf.
Andreas Dold (rechts) und Oliver Bleser vor ihrer Corona-Teststation in Überlingen. Gemeinsam betreiben sie mehrere Stationen – unter anderem auch in Markdorf. Bild: Jäckle, Reiner

Testgrund ist Plichtangabe

„Die Schwierigkeit, die es gibt, sind die vielen verschiedenen Testgründe, die man angeben muss, um zu entscheiden, ob der Test weiterhin kostenlos bleibt oder kostenpflichtig ist“, ergänzt Oliver Bleser. Momentan sind Besucher, Behandelnde oder Bewohner von medizinischen Einrichtungen, wie Krankenhäuser und Altenheime, von den Kosten befreit, wie auch Haushaltsangehörige von aktuell infizierten Menschen, Kinder unter fünf Jahren, schwangere Frauen und pflegende Angehörige. Wenn diese Personen zur Teststation gehen, müssen sie dies durch eine Unterschrift auf dem, Testprotokoll bestätigen.

Dann gibt es drei weitere Personengruppen, die den Corona-Test mit einer Zuzahlung von drei Euro machen können. „Das sind Personen vor einer sogenannten Risikoexposition“, sagt Andreas Dold und erklärt: „Das sind Besucher von Innenraum-Veranstaltungen, Konzerten und Theaterbesuchen sowie Personen, die am Tag der Testung Kontakt zu Menschen aus Risikogruppen haben, bei denen die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufs sehr hoch ist. Hierzu zählen Menschen ab 60 Jahren, Menschen mit Behinderung oder Vorerkrankungen. Die dritte Gruppe sind diejenigen, deren Corona-Warn-App eine rote Warnung anzeigt.

Alle anderen müssen den Schnelltest komplett mit 9,50 Euro bezahlen. Das bedeutet, wer einen offiziellen Schnelltest für die Bestätigung einer Infektion benötigt, kann diesen zum Selbstkostenpreis machen lassen. Damit wird die Infektion auch an das Gesundheitsamt gemeldet. „So wird die Infektion ordnungsgemäß dokumentiert“, betont Oliver Bleser. „Allerdings ist es so, dass sehr viele gar keinen offiziellen Test machen lassen, wenn der Schnelltest positiv ist und damit die Infektionszahlen rapide sinken, auch wenn es wohl kaum jemanden gibt, der keinen kennt, der gerade infiziert ist.“

In der Teststation auf der Zimmerwiese wirdmit der neusten digitalen Technologie gearbeitet. Man muss nicht auf das Ergebnis warten. Es kommt digital per E-Mail oder auf eine App.
In der Teststation auf der Zimmerwiese wirdmit der neusten digitalen Technologie gearbeitet. Man muss nicht auf das Ergebnis warten. Es kommt digital per E-Mail oder auf eine App. Bild: Jäckle, Reiner

Viele Infizierte nicht registriert

Genau darin sehen die beiden Test-Station-Betreiber auch die Gefahr für den Herbst. Aktuell sind sehr viele Infizierte nicht registriert. Außerdem nehme die Impfbereitschaft gravierend ab. Deshalb können die beiden die Warnungen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach durchaus nachvollziehen, denn ihm gehe es letztlich hauptsächlich um die Krankenhaus-Auslastung.

Deshalb raten die beiden dringend: „Symptomatische Patientinnen und Patienten sollten zum Arzt gehen und sich dort testen lassen.“ Es komme regelmäßig vor, dass Krankenhäuser in der Region vermeintlich positive Patienten zu einer der Teststationen von Andreas Dold und Oliver Bleser schicken. „Wir arbeiten hier sehr gut zusammen und telefonieren regelmäßig“, betont Andreas Dold. „Das liegt sicherlich auch daran, weil wir im hinteren Nasenbereich den Abstrich nehmen.“ Dadurch seien die Tests deutlich zuverlässiger.