Wir haben mit dem Programmchef Matthias Becht über das Programm gesprochen und nachgefragt, ob es irgendwelche finanziellen Hilfen in der Pandemie gegeben hat.

Herr Becht, das Programm der elften Saison der Alten Fabrik Mühlhofen ist bereits gestartet. Wie schwer war es, eines zusammenzustellen?

Es war eigentlich ein Selbstgänger, denn die Veranstaltungen sind fast ausschließlich Verschiebungen oder Nachholtermine. Das einzige, was neu ist, sind teilweise die Programme der Künstler, die sich zwischenzeitlich geändert haben.

Matthias Becht ist seit 2010, seit dem es die Alten Fabrik Mühlhofen gibt, Programmchef.
Matthias Becht ist seit 2010, seit dem es die Alten Fabrik Mühlhofen gibt, Programmchef. Bild: Reiner Jäckle

Mit Lisa Fitz, Sissi Perlinger, Lilo Wanders, das Kabarett Distel, „Mutter Beimar“ Marie-Luise Marjan und Onkel Fisch kommen viele auch international bekannte Künstler. War das Programm schon einmal so gut besetzt?

Nein, sicher nicht. Das ist allerdings ein Segen und ein Fluch. Es sind schon fast zu viele Highlights. Bis Weihnachten gibt es kein Wochenende ohne Veranstaltung, teilweise sind sogar zwei angesetzt.

Apropos Sascha Korf. Er kommt mit seinem Programm „Die (geviertelte) Mix-Show – mit Gästen“ in die Alte Fabrik. Am 9. Dezember soll das der Auftakt einer Serie sein. Was erwartet da die Besucher?

Sascha Korf lädt Überraschungsgäste ein, die vorher nicht veröffentlicht werden. Dabei gibt es jede Menge Stand-up-Comedy und Improvisation. Es wird ein Abend in vier Teilen.

Mit vier Teilen?

Ja, zu Beginn wird er persönlich mit seinen Gästen die Besucher begrüßen und es wird einen gemeinsamen Apéritif geben. Im zweiten Teil spielt jeder Gast einen Teil aus seinem Solo-Programm. Dann kommt eine Mischung aus Improvisation und Kneipen-Quiz, bei dem die Zuschauer involviert sind. Dabei gilt das Motto „jeder darf, keiner muss“ und es gibt sogar etwas zu gewinnen. Zum krönenden Abschluss werden alle Comedians gemeinsam auf der Bühne sein und das machen, was Sascha Korf sagt. Das ist dann Improvisation pur.

Dann können Sie in der elften Saison ja aus dem Vollen schöpfen…

Das kann man durchaus so sehen. Allerdings ist die Herausforderung für uns damit ganz enorm.

Inwiefern?

Vor allem im finanziellen Bereich. 2020 mussten wir die Miete aufbringen, die wir durch Aktionen wie Autokino, Open-Air-Kabarett und den Rücklagen aus den vergangenen Jahren irgendwie geschafft haben. Dazu gilt auch ein großer Dank vielen individuellen Spendern und Personen, die Aktionen für die Alte Fabrik initiiert haben, ohne die wir tatsächlich nicht überlebt hätten. Diese Saison müssen wir neben der Miete auch ein prominent besetztes Programm stemmen. Und die Vorverkaufszahlen sind teilweise noch weit hinter den Hoffnungen.

Woran liegt das?

Da gibt es sicher mehrere Gründe. Einer davon ist sicher eine nach wie vor allgemeine Verunsicherung bezüglich der aktuellen Situation wegen Corona, wie beispielsweise der 3G- und 2G-Regelung.

Haben Sie als Kulturbetrieb keine finanziellen Förderungen von Bund und Land erhalten?

Das einzige, was wir bekommen haben, sind sachbezogene Zuschüsse vom Bund für unsere Luftfilter. Vom Land gab es bislang gar nichts. Das liegt daran, dass wir ein privat betriebener Kulturbetrieb sind.

Es gibt doch aber seit dem 1. Juli 2021 einen Sonderfond Kultur der Bundesregierung?

Das stimmt. Deshalb waren wir im Sommer auch noch recht zuversichtlich, dass wir unser Programm problemlos durchziehen können, denn eventuelle finanzielle Ausfälle hätten wir über diesen Fond ausgeglichen bekommen. Das geht aber nur, wenn wegen der Hygienevorschriften nicht alle Plätze belegt werden dürfen.

Und das ist nicht mehr so?

Genau das wurde im August von der Landesregierung geändert. Die neue Regelung besagt, dass wir mit der aktuellen Einlassregelung die Kapazität voll auslasten können. Damit können wir theoretisch alle Plätze belegen und sind nicht mehr förderberechtigt. Allerdings wird es ziemlich sicher keine Veranstaltung geben, die ausverkauft sein wird – ganz im Gegenteil.

Das heißt, der Vorverkauf läuft nicht wie erhofft?

Leider nein. Es ist teilweise sogar so, das Tickets, die bereits 2019 oder 2020 gekauft wurden, aufgrund der aktuellen Situation nun doch zurückgegeben werden, da es sich um verschobene Veranstaltungen handelt. Natürlich kann ich das auch verstehen, da die Entwicklung in den kommenden Monaten nicht absehbar ist.

Trotz der Situation feiern Sie den zehnten Geburtstag am 30. Oktober nach mit der Feier „10+1“. Wie wird dies geschehen?

Wir feiern zusätzlich zehn Jahre Förderverein, der aktuell so wichtig ist wie noch nie. Es wird eine Jubiläumsgala geben mit einer Band, kurzen Filmen und Überraschungsgästen, die dem Haus in den vergangenen Jahren verbunden waren. Die Hälfte der Gäste sind geladen, die restlichen Tickets sind ab sofort im freien Verkauf.

Dann gibt es ja seit dem vergangenen Jahr auch ein Kino in der Alten Fabrik. Was ist da geplant?

Aufgrund der zahlreichen Veranstaltungen in dieser Saison haben wir diesbezüglich nichts geplant. Das wäre zeitlich schlichtweg auch kaum zu stemmen.