Im Vorfeld des Konzertes haben wir mit Christopher Seiler über die Entstehung des Musikprojektes und deren Musikstil gesprochen und nachgefragt, warum Seiler und Speer Mundart singen.

Herr Seiler, Sie kommen mit Seiler & Speer am 5. September nach Radolfzell zum Milchwerk Musik Festival. Auf was dürfen sich die Besucher freuen?

Auf ein großartiges Konzert. Unsere Band und wir sind momentan extrem gut drauf und werden definitiv auch mit dem Publikum in Kontakt kommen. Wir freuen uns riesig.

Wie gut kennen Sie den Bodensee?

Ganz ehrlich: Ich war noch nie dort. Ich kenne mich geografisch zwar recht gut aus und weiß, wo er liegt, aber ich habe es bislang auch nur zwei Mal nach Vorarlberg geschafft. Und da war ich leider nicht am Bodensee. Das ist aber auch der Grund, warum wir uns umso mehr freuen, in Radolfzell zu spielen.

Stimmt es, dass Sie Komiker und Schauspieler und Bernhard Speer Filmemacher waren, bevor Sie gemeinsam Musik gemacht haben?

Schauspieler bin ich immer noch, wobei ich mich momentan auf die Musik konzentriere. Das Kapitel als Komiker ist allerdings abgeschlossen (lacht). Bernhard macht tatsächlich bis heute noch Musikvideos.

Wie kam es dann, dass Sie zusammengefunden haben und jetzt gemeinsam Musik machen?

Über ein Musikvideo. Ich habe 2012 meine ersten musikalischen Schritte unternommen und auf Facebook ein paar Lieder hochgeladen. Bernhard sah das und fragte mich, ob wir nicht mal ein Musikvideo zusammendrehen sollen. Dadurch entstand die Satire-Webserie „Horvathslos“, von denen es schließlich fünf Staffeln gab. Irgendwann haben wir uns dann entschieden gemeinsam Musik zu machen.

…und dann kam schon bald „Ham kummst“, der Song mit dem Sie berühmt wurden…

Stimmt! In Österreich kam er 2014, in Deutschland 2015 heraus. Da haben wir gemerkt, dass das Musikmachen funktioniert (lacht).

Seiler und Speer aus Österreich eröffnen das Milchwerk Musik Festival in Radolfzell.
Seiler und Speer aus Österreich eröffnen das Milchwerk Musik Festival in Radolfzell. Bild: Favourite! Sus

Warum singen Sie in österreichischer Mundart?

Es stand nie zur Debatte, dass wir nicht Mundart singen. Wir könnten nicht authentisch sein, wenn wir hochdeutsch, englisch oder spanisch singen würden. Wir reden und denken schließlich ja auch so.

Ihr Musikstil wird Austropop genannt. In welchen Stilen sehen Sie sich eigentlich selbst?

Oh ja – mit Sicherheit nicht Austropop. So wird offensichtlich alles genannt, was Österreichisch gesungen wird (lacht). Anfangs haben wir uns tatsächlich mal in der Tradition von Wolfgang Ambros gesehen. Mittlerweile haben wir unseren ganz eigenen Stil gefunden. Das Schöne ist, da gibt es keine Grenzen – auch nicht was Genres angeht.

Das stimmt. Und davon können Sie buchstäblich ein Lied singen, denn Sie kommen ja sogar aus dem Rap. Das wäre doch auch mal was für einen Song, oder?

Klar, das gibt es ja bereits. Vor allem im Song „Inspektor“ gibt es viele Elemente. Wir machen prinzipiell eh das, auf das wir gerade Lust haben. Das ist ja das Schöne (lacht).

Und haben erst in diesem Sommer einen Ausflug ins Klassische gewagt. Sie waren im Wiener Konzerthaus und haben Ihre Lieder mit einem 60-köpfigen Orchester völlig neu interpretiert. Wie kam das zustande?

Ich bin mit dem Dirigenten Christian Kolonovits befreundet. Er ist Komponist und Produzent. Er kam auf mich zu und fragte mich, ob wir nicht Lust hätten, ob wir unsere Lieder nicht mal mit Orchester ausprobieren wollen. 2018 gab es einen Versuch mit „Ham kummst“. Dann kam Red Bull als Sponsor noch dazu und so entstand dann das Red Bull Symphonic. Es waren drei wirklich geniale Abende.

Gibt es diesbezüglich auch etwas in Radolfzell zu hören?

Naja, ein Orchester haben wir leider nicht dabei. Aber es ist absolut möglich, dass wir Sachen spielen, die es so noch gar nicht gibt. Wir spielen Anfang September in neun Tagen acht Konzerte und sind mit dem Nightliner unterwegs. Da kommen uns immer mal wieder Ideen, die wir dann durchaus auch sofort auf der Bühne ausprobieren.

Christopher Seiler (links) und Bernhard Speer sind Seiler und Speer. Die Österreicher gehören in ihrem Heimatland aktuell zu den angesagtesten Künstlern überhaupt und füllen die ganz großen Konzertsäle und Arenen. Am 5. September spielen sie mit ihrer Band im Rahmen des Milchwerk Musik Festivals in Radolfzell.
Christopher Seiler (links) und Bernhard Speer sind Seiler und Speer. Die Österreicher gehören in ihrem Heimatland aktuell zu den angesagtesten Künstlern überhaupt und füllen die ganz großen Konzertsäle und Arenen. Am 5. September spielen sie mit ihrer Band im Rahmen des Milchwerk Musik Festivals in Radolfzell. Bild: Oliver Topf

In Deutschland ist vor allem Ihr Song „Ham kummst“ bekannt. Dabei geht es um eine durchzechte Nacht, Zoff mit der Ehefrau und die anstehende Scheidung. Haben sie das schon selbst erlebt?

Nein. Ich bin und war ja noch nie verheiratet (lacht). Natürlich hatte ich aber schon Beziehungen, die an so etwas gescheitert sind. Das ist ja normal. Das Leben ist eben eine Reise. Und wohin es geht, merkt man dann immer erst am Flughafen (lacht).

Wie entstehen die Lieder bei Ihnen?

Das ist völlig unterschiedlich. Ich bin erst neulich nachts um drei Uhr aufgewacht und habe von einer Melodie geträumt, die ich unbedingt sofort als Demo aufnehmen wollte, um sie nicht wieder zu vergessen. Dann bin ich eben alleine ins Home-Studio gesessen und habe losgelegt. Es passiert eben dann, wenn mich die Muse küsst. Meistens ist es so, dass die Lieder entstehen, wenn es einem nicht ganz so gut geht.

Ihre Texte sind meistens sehr lebensnah und handeln vom ganz gewöhnlichen Alltag. Allerdings ist so viel Humor dabei, dass das Ganze äußerst unterhaltsam rüberkommt.

Naja, da kommt wohl immer mal wieder der Komiker in mir durch (lacht). Es ist aber auch so, dass hinter jedem Komiker auch eine sensible Person steckt. Deshalb haben wir auch völlig unterschiedliche Lieder. Es ist immer wieder ein Spagat zwischen lustig und ernst. Dadurch können wir mit den verschiedenen Emotionen spielen.

In Österreich gehören Sie aktuell zu den angesagtesten Künstlern überhaupt. Kaum ein Konzert hat weniger als 10.000 Zuschauer. Wie sieht das in Deutschland aus?

Neulich haben wir in München gespielt, da waren auch 20.000 Besucher. Es ist aber schon so, dass je nördlicher wir spielen, umso kleiner werden die Gigs. Das ist aber auch super, denn so ein Clubkonzert hat seinen ganz eigenen Charme. Die großen Arenen machen zwar Riesenspaß, sind aber schon deutlich unpersönlicher.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie gerne ins Publikum gehen oder auch springen. Wird das in Radolfzell auch so sein?

Mit Sicherheit! Es ist bei mir eben immer noch so, dass ich vor einem Konzert immer noch eine große Anspannung spüre. Ich frage ich dann immer, was ist, wenn die Leute unsere Musik nicht mögen, was natürlich Blödsinn ist, denn sie haben ja ein Ticket gekauft. Spätestens, wenn ich dann im zweiten oder dritten Lied ins Publikum gehe, ist das verflogen.

Die Fragen stellte Reiner Jäckle