Das Kloster und Schloss Salem steht bis zum 18. August unter anderem im Fokus der Orgelmusik. Am Sonntag starten nämlich die „Internationalen Salemer Orgelwochen“ mit Organisten aus Frankreich, Deutschland, England und den USA. Insgesamt stehen fünf Konzertabende im historischen Münster auf dem Programm.

Alte Tradition

Die „Internationalen Salemer Orgelwochen“ knüpfen an eine alte Tradition an. Denn Musik hatte schon in der ehemaligen Reichsabtei Salem einen sehr hohen Stellenwert. Seit der Ordensgründung war sie ein wichtiges Element der Liturgie der Zisterzienser. So entstand bereits im 12. Jahrhundert der bis heute eigenständige Zisterzienserchoral. Im 18. Jahrhundert war die Musikkultur in Kloster Salem auf höchstem musikalischem Niveau und fester Bestandteil der Repräsentation der Reichsabtei.

Historische Orgel

Aber auch das Instrument, das bis zum 18. August im Fokus stehen wird, hat eine lange Geschichte: Unter Abt Anselm II. wurde die einst vierteilige Orgelanlage vom berühmten barocken Orgelbaumeisters Karl Joseph Riepp im Salemer Münster errichtet. Bis heute ist dieser imposante Prospekt der Dreifaltigkeitsorgel erhalten. Um 1900 erhielt sie durch den Überlinger Orgelbauer Wilhelm Schwarz ein romantisches Orgelwerk mit drei Manualen, einem Pedal und insgesamt 38 Registern. In ganz Baden-Württemberg zählt sie zu einer der wenigen Orgeln der Romantik, die im Original größtenteils erhaltenen sind. Und sie wurde schon von zahlreichen berühmten Namen bespielt: Unter anderem Albert Schweitzer kam immer wieder nach Salem, um auf ihr zu spielen.

Auf dieser historischen Orgel im Salemer Münster gibt es im Rahmen der „Internationalen Salemer Orgelwochen“ fünf Konzerte.
Auf dieser historischen Orgel im Salemer Münster gibt es im Rahmen der „Internationalen Salemer Orgelwochen“ fünf Konzerte. Bild: Veranstalter

Auftakt am Sonntag, 10. Juli

Am Sonntag, 10. Juli, starten um 18.15 Uhr „Internationalen Salemer Orgelwochen“. Das Auftaktkonzert gestaltet Prof. Maurice Clerc. Er ist emeritierter Organist an der Kathedrale zu Dijon. Er spielt Werke unter anderem von Dietrich Buxtehude (Choralvorspiele), Charles Marie Widor (Final aus der Bach‘schen Matthäuspassion) und Charles Tournemire (Paraphrase über die Ostersequenz „Victimae Paschali Laudes“).

Der Organist

Maurice Clerc war von 1972 bis 2018 Organist der Kathedrale von Dijon, zudem Professor am Konservatorium und an der Universität von Dijon. Er studierte an der „École Normale de Musique“ in Paris und später am Pariser „Conservatoire National Supérieur de Musique“, wo er 1975 den ersten Preis für Orgel erhielt. Zudem belegte er einen Improvisationskurs an der „Académie Internationale“ in Nizza.

Bei ihm kann der Satz „Die Welt war seine Bühne“ wörtlich genommen werden: Maurice Clerc spielte international in mehr als 20 Ländern und an zahlreichen bedeutenden Orten – darunter in der Kathedrale Notre-Dame in Paris, der St. Patrick‘s Cathedral in New York, dem Dom zu Lübeck, der Markuskirche in Venedig, der Kirche Saint-Joseph in Montreal, der St Pauls Cathedral in Melbourne, dem Auditorium des Rundfunks N.H.K. in Tokio und dem Kulturzentrum in Hong Kong. Zudem war er immer wieder Teil von wichtigen Festivals unter anderem in Brügge, Madrid, Paris (St. Eustache), Frankfurt, San Paulo, Buenos Aires, Moskau, Budapest, Kopenhagen und Luxemburg. Außerdem ist Maurice Clerk Ritter des Verdienstordem der Bundesrepublik Deutschland.

Der Franzose wirkte schon häufig bei Aufnahmen mit. Viele seiner Einspielungen sind Bach und den deutschen Meistern der Barock gewidmet. Allerdings gilt err als Spezialist auf dem Gebiet der französischen Musik des 19. und 20. Jahrhunderts.