Hilfe zur Selbsthilfe: Das ist das übergeordnete Motto des Vereins „Green Olive“, der 2006 unter anderem von Franz Seehuber aus Überlingen gegründet wurde. Aktuell engagiert sich der Verein vor allem in der Lakewood Green Olive High School in Tezo im Distrikt Kilifi. Erst vor wenigen Tagen wurde dort ein neues Gebäude in Betrieb genommen, das von Einheimischen konzipiert, geplant und gebaut und von Spendengeldern finanziert wurde.

Dieses Gebäude wurde mit Spenden auch vom Bodensee gebaut: Im Erdgeschoss werden medizinische Behandlungen und Unterricht absolviert und im Obergeschoss ist Platz für die Administration.
Dieses Gebäude wurde mit Spenden auch vom Bodensee gebaut: Im Erdgeschoss werden medizinische Behandlungen und Unterricht absolviert und im Obergeschoss ist Platz für die Administration. Bild: Green Olive

DAs neue Gebäude

„Es ist ein zweistöckiges Gebäude, in dem im Erdgeschoss Räume für medizinische Behandlungen und im Obergeschoss Platz für die Schulleitung und die Administration geschaffen wurden“, erklärt Ruth Wanyiru Seehuber, die gemeinsam mit ihrem Mann Thomas Engelhart die Schule managt. Das Ganze wurde innerhalb eines knappen Jahres realisiert und kostete etwa 75.000 Euro.

Die Räumlichkeiten sind deshalb so wichtig, weil einmal im Monat eine Krankenschwester in die Lakewood Green Olive High School kommt und vor allem Aufklärungsunterricht mit den Jungen und Mädchen anbietet. „So etwas gibt es in ganz Kenia nicht“, erklärt Franz Seehuber. „Es ist sehr wichtig, damit vor allem die Einheimischen Mädchen nicht zu früh Kinder bekommen und damit ihre Zukunft mehr oder weniger verbauen.“ In den Räumen im Erdgeschoss des neuen Gebäudes wird, wenn sie nicht für medizinische Zwecke genutzt werden, auch Unterricht angeboten. Außerdem bietet das Gebäude Platz für Sozialräume für die Lehrer.

Ruth Wanyiru Seehuber und ihrem Mann Thomas Engelhart managen die Sekundarschule.
Ruth Wanyiru Seehuber und ihrem Mann Thomas Engelhart managen die Sekundarschule. Bild: Green Olive

Neues Schulsystem

Der Verein „Green Olive“ und das Schul-Management ruhen sich aber keinesfalls auf den Errungenschaften aus. Dazu gibt es auch gar keine Zeit, denn das Schulsystem wird in Kenia grundlegend neu aufgestellt. Bislang sind die Jugendlichen vier Jahre in der Sekundarschule. Ab 2024 wird diese Zeit auf sechs Jahre ausgedehnt. Im Gegenzug wird die Primärschule von acht auf sechs Jahre verkürzt.

„Das stellt uns natürlich vor riesige Herausforderungen“, erklärt die Schul-Managerin. „Wir haben aktuell etwa 150 Schülerinnen und Schüler bei uns. Wenn das neue System praktiziert wird, werden es mehr als 200 sein.“ Deshalb gibt es bereits neue Baupläne. „Wir benötigen dringend neue Schlafplätze für die Mädchen“, so Ruth Wanyiru Seehuber. „Deshalb planen wir bereits einen weiteren Neubau, der ebenfalls zweistöckig werden soll.“

So sieht das Gelände der Lakewood Green Olive High School in Tezo in Kenia von der Luft aus. Das Projekt wurde vom Verein Green Olive 2006 begonnen und ist mittlerweile zu einem der besten Privatschulen im Distrikt Kilifi angewachsen. Alle Gebäude wurden selbst gebaut.
So sieht das Gelände der Lakewood Green Olive High School in Tezo in Kenia von der Luft aus. Das Projekt wurde vom Verein Green Olive 2006 begonnen und ist mittlerweile zu einem der besten Privatschulen im Distrikt Kilifi angewachsen. Alle Gebäude wurden selbst gebaut. Bild: Green Olive

Der nächste Neubau

Im Erdgeschoss sollen Schulräume vor allem für einen EDV-Unterricht mit bis zu 30 Computerplätzen entstehen. Außerdem gibt es einen weiteren Raum für Unterrichtsmöglichkeiten. Im Obergeschoss sind die neuen zusätzlichen Schlafräume für die Schülerinnen geplant. „Die ersten Entwürfe des Baus gibt es bereits“, so Franz Seehuber. „Wir hoffen, dass wir bereits in diesem Jahr mit dem Bau beginnen können.“

Neues Schulsystem

Mit der Umstellung des Schulsystems in Kenia muss in der Lakewood Green Olive High School allerdings noch ein weiteres Projekt angegangen werden. Die Sportanlagen müssen zwingend um einen Fußballplatz erweitert werden. „Wir haben zwar schon ein Basketball- und ein Volleyballfeld“, so Ruth Wanyiru Seehuber. „Das kenianische Schulministerium schreibt aber auch ein Fußballfeld vor, damit wir als Sekundarschule weiterarbeiten können.“ Auch hier gibt es erste Pläne.

Der Überlinger Franz Seehuber (rechts) bei seinem letzten Besuch im Januar 2020 in der Lakewood Green Olive High School bei der Planung des Wasserturms mit einem Mitarbeiter vor Ort.
Der Überlinger Franz Seehuber (rechts) bei seinem letzten Besuch im Januar 2020 in der Lakewood Green Olive High School bei der Planung des Wasserturms mit einem Mitarbeiter vor Ort. Bild: Green Olive

Franz Seehuber ist zuversichtlich, dass diese beiden Großprojekte rechtzeitig realisiert werden. „Ruth und Thomas managen die Lakewood Green Olive High School wirklich hervorragend“, sagt der Adoptiv-Vater von Ruth Wanyiru Seehuber. „Sie sind der Garant dafür, dass alle Spendengelder auch ankommen und vor allem sinnvoll investiert werden.“ Der Überlinger ist deshalb so zuversichtlich, weil es eine sehr gute Koordination und vor allem Disziplin gebe.

Dies ist der Wasserturm, der erst Anfang des Jahres fertig wurde. Hier befindet sich die Corona-Quarantäne-Station, falls jemand positiv getestet werden sollte.
Dies ist der Wasserturm, der erst Anfang des Jahres fertig wurde. Hier befindet sich die Corona-Quarantäne-Station, falls jemand positiv getestet werden sollte. Bild: Green Olive

Corona-Situation

Dies helfe auch in punkto Corona. „Wir haben uns im vergangenen Jahr sehr gut auf die Situation eingestellt“, erklärt die Schul-Managerin. „Jeder trägt einen Mundschutz, wir messen täglich zwei Mal Fieber bei den Schülerinnen und Schülern, und es gibt zahlreiche Desinfektionsspender und Waschmöglichkeiten auf dem Gelände.“ Auch wenn es aktuell keinen Fall in der Lakewood Green Olive High School gibt, wurde eine eigene Quarantänestation eingerichtet, um sofort reagieren zu können. Man hoffe zwar, dass es bald genügend Impfstoff für alle gebe, aber bis dahin gelte ein klares Hygienekonzept.

Schülerinnen und Schüler vor dem Eingang zur Lakewood Green Olive High School.
Schülerinnen und Schüler vor dem Eingang zur Lakewood Green Olive High School. Bild: Green Olive

Hilfe zur Selbsthilfe

Für Franz Seehuber hat auch hier die Hilfe zur Selbsthilfe oberste Priorität. „Es ist zwingend notwendig, dass wir nicht nur Geld geben, sondern die Kenianer beschäftigen“, betont er. „Sei es mit Unterrichten, Bauen und eben Hygienekonzepte aufstellen.“ Mit dieser Einstellung habe man bislang schon sehr viel vor Ort erreicht, es sei aber immer noch jede Menge notwendig. „Die Hilfe aus Deutschland ist vor allem in der jetzigen Zeit unglaublich wichtig“, erzählt Ruth Wanyiru Seehuber. „Nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der Neuausrichtung des Schulsystems.“