Es ist 15.30 Uhr auf dem Parkplatz an der Sporthalle in Mühlhofen. Der auffällige Kastenwagen mit den bunten Bildern von Seepark-Golf kommt an. Der zwölfjährige Louis Schroeder aus Illmensee ist mit seiner Schwester Lara, seiner Cousine Mila und Cousin Adrian bereits da und wartet schon auf den Transport. Im Kastenwagen ist die begehrte Fracht: mehr als 220 Hühner.

Gegacker im Transporter

„Ich habe in der Seewoche gesehen, dass da Hühner gerettet werden“, erzählt Louis Schroeder. „Da bin ich sofort zu meiner Mutter und habe gesagt, dass wir da welche holen müssen.“ Gesagt, getan! Familie Schroeder meldetet sich bei Hühnerretter Nic Dilger aus Tettnang, der die ganze Aktion koordiniert und auch dabei ist. Kaum sind die Türen des Kastenwagens geöffnet, ist die wertvolle Fracht auch sofort zu hören. Ein mächtiges Gegacker geht los.

Sie waren die ersten und freuen sich über drei neue Hühner in der Familie (von rechts): Louis und Lara Schroeder mit ihrer Cousine Mila und Cousin Adrian.
Sie waren die ersten und freuen sich über drei neue Hühner in der Familie (von rechts): Louis und Lara Schroeder mit ihrer Cousine Mila und Cousin Adrian. Bild: Jäckle, Reiner

Hühner in Boxen

Die Augen von Louis, Lara, Mila und Adrian leuchten. Vorsichtig nähern sie sich den mehr als 20 Boxen, in denen die Hühner sitzen. Sie sind ein Jahr alt und sehen an diesem Tag zum allerersten Mal überhaupt in ihrem Leben Tageslicht und atmen frische Luft. Schnell ist die Schüchternheit der vier Kinder verflogen. Louis und Lara Schroeder suchen sich ein Huhn aus und nehmen auch noch eines für den kleinen Bruder mit, der zuhause geblieben ist.

Glückliche Hühnerretter

„Bis heute hatten die Hühner ein schweres Leben“, sagt der junge Illmenseer, der sich ganz offensichtlich auskennt. „Jetzt beginnt für die Hennen ein neues und hoffentlich deutlich glücklicheres Leben.“ Kaum gesagt, werden die drei Tiere in einen mitgebrachten Karton gesetzt. Die Mutter von Louis und Lara Schroeder lädt die neuen Mitbewohner sowie die vier Kinder ein, die mit einem breiten Grinsen und winkend zurück nach Immensee fahren.

Erika Endres (links) aus Überlingen hat vier Hühner gerettet. Ihre Freundin Renate Lorch hat sie mit dem Cabrio nach Mühlhofen gefahren.
Erika Endres (links) aus Überlingen hat vier Hühner gerettet. Ihre Freundin Renate Lorch hat sie mit dem Cabrio nach Mühlhofen gefahren. Bild: Jäckle, Reiner

Langer Tag für die Hühner

Der große Tag der Ausstallung hat für die Hühner bereits am späten Vormittag begonnen. Insgesamt kommen mehr als 300 Hennen in die Transportboxen. Normalerweise wartet ein anderer Transport auf die gerade einmal zwölf Monate alten Tiere – nämlich direkt in den Schlachthof. Doch diese Ausstallung ist anders. Nic Dilger hat den Landwirt aus dem Bodenseeraum kontaktiert. Dieser fuhr die ausgestallten Tiere nach Tettnang zum Hühnerretter. In den vergangenen drei Wochen wurden Abnehmer für die Hühner gesucht – und dank der Seewoche auch gefunden.

Große Nachfrage

Ursprünglich sollten etwa 1000 Hennen ankommen. In der Zwischenzeit reduzierte sich die Zahl auf knapp 400. Die Nachfrage der Seewoche-Leserinnen und -Leser war dermaßen groß, dass am Ende sogar einigen abgesagt werden musste, weil bereits alle Tiere vermittelt waren. „Es war wirklich beeindruckend“, stimmt Nic Dilger zu. „Mein Telefon stand kaum noch still. Wir hätten deutlich mehr Hühner vermittelt können.“ Bevor es nach Mühlhofen ging, wurden in Tettnang schon etwa 150 Hennen abgegeben. „Wir sind vor allem auch Seepark-Golf dankbar, dass wir einen Transporter zur Verfügung gestellt bekommen haben“, so der Hühnerretter.

Susanne und Rüdiger Gwinn sind extra aus Stetten am kalten Markt nach Mühlhofen gefahren, um drei Hühner zu retten.
Susanne und Rüdiger Gwinn sind extra aus Stetten am kalten Markt nach Mühlhofen gefahren, um drei Hühner zu retten. Bild: Jäckle, Reiner

Mittlerweile sind weitere Autos auf dem Parkplatz in Mühlhofen angekommen. Mit dabei war auch das Cabrio von Renate Lorch aus Überlingen. Sie ist mit ihrer Freundin Erika Endres gekommen, die vier Hühnern ein neues Zuhause gibt. Der Transport in der Box auf dem Schoß der Beifahrerin war definitiv besonders. Eine deutlich weitere Anreise hatten Susanne und Rüdiger Gwinn aus Stetten am kalten Markt. Die beiden haben für ihre neuen Haustiere eine etwa einstündige Anfahrt in Kauf genommen, um drei Legehennen zu retten.

220 Legehennen in Mühlhofen

Um 17 Uhr ist die komplette Fracht des Transporters verteilt. Allein in Mühlhofen haben 220 Legehennen, die bislang nichts anderes als Lebensaufgabe hatten, möglichst viele Eier zu legen, ein neues Zuhause gefunden. Das teilweise dünne Gefieder wird in wenigen Wochen wieder nachgewachsen sein und die neuen Besitzer werden mit einem täglichen Ei entlohnt. „Dank der Seewoche war es wirklich eine erfolgreiche Aktion“, resümiert Nic Dilger und sagt mit dem Blick nach vorne. „Wir werden dieses Jahr sicher noch eine Aktion haben. Ich hoffe, die Seewoche ist dann auch wieder dabei.“