Herr Stier, Sie zieren das Dezember-Blatt des aktuellen Jungbauernkalenders. Wie haben Sie es geschafft, mit dabei zu sein?

Ganz einfach: Ich habe mich dafür beworben (lacht).

Und warum?

Mich haben mehrere Dinge bewogen, mich zu bewerben. Zum einen macht es mir Spaß, vor der Kamera zu stehen. Zum anderen hoffe ich, dass ich dadurch die Möglichkeit bekomme, den Beruf des Landwirts etwas mehr in den Fokus zu stellen. Außerdem poste ich schon länger Bilder von mir auf Instagram („monsinjo“), so dass das nichts Neues für mich ist.

Sie sagen, Sie wollen den Beruf des Landwirtes mehr in den Fokus stellen. Wieso?

Ich denke, das Bild eines Bauern hat sich in der Gesellschaft extrem gewandelt und ist mittlerweile eher negativ behaftet. Vor allem in den vergangenen zehn Jahren hat sich wahnsinnig viel geändert. Als ich 14 Jahre alt war, sah der Alltag noch ganz anders aus. Viele denken, das ist heute immer noch so. Ich habe nur selten gesagt, dass ich auf einem Bauernhof aufwachse. Es war und ist ja heute teilweise noch so, dass „Du Bauer“ eher ein Schimpfwort ist. Das ist wahnsinnig schade.

Und heute?

Heute bin ich stolz, auf einem Bauernhof zu leben. Er ist ja auch echt super. Es ist doch so, dass unsere Arbeit immer wichtiger wird. Immer mehr Menschen wollen regionale Produkte kaufen, aber wer produziert sie? Die Landwirte! Es ist höchste Zeit, dass wir wieder ins richtige Licht gerückt werden. Zumeist jungen Leuten fehlt die Achtung und Anerkennung der Leistung der Landwirte. Im Supermarkt kaufen viele billig, denken nicht daran, woher die Sachen eigentlich kommen. Wenn sie das wirklich wüssten, würden sie es sicher nicht kaufen. Heute ist eben noch viel zu oft allein der Preis entscheidend, nicht die Qualität und Region.

Wie sind die ersten Reaktionen?

Ganz ehrlich: Als ich die Bilder vom Jungbauernkalender das erste Mal gepostet habe, haben viele Freunde in den Sozialen Netzwerken es mir zunächst gar nicht geglaubt, dass ich jetzt im Kalender zu sehen bin. Für fremde Leute war es anfangs überraschend, mich in Verbindung mit der Landwirtschaft zu sehen. In ihren Augen strahle ich nicht das typische Bild eines Bauers aus. Ich bin viel in der Öffentlichkeit, kleide mich modern und bin in Vereinen aktiv. Meine Freunde waren begeistert und freuten sich mit mir auf das anstehende Invent.

Was gefällt Ihnen an der Landwirtschaft besonders?

Sie bedeutet für mich einen perfekten Ausgleich zu meiner sonstigen Arbeit in einer Produktionshalle. Da kann ich mich körperlich voll austoben, bin oft draußen an der frischen Luft und in der Natur. Die Arbeit mit den Tieren macht mir viel Spaß. Ich kann dort voll abschalten.

Simon Stier bei der Arbeit auf dem Bauernhof.
Simon Stier bei der Arbeit auf dem Bauernhof. Bild: privat

Und wie kam es dann, dass Sie sich beworben haben?

Bei einem gemütlichen Abendhock haben Freunde eher aus Jux gesagt, mach da doch mit. Ich habe das dann tatsächlich gemacht, ohne es sofort an die große Glocke zu hängen. Als es dann Wirklichkeit wurde und ich angenommen war, war es eine große Überraschung für alle.

Wie kamen Sie überhaupt auf den Jungbauernkalender, der ja in Österreich produziert wird?

Ich habe ihn gemeinsam mit Freunden im Internet und in den Sozialen Medien entdeckt und war sofort begeistert von den tollen Bildern. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal selbst darin abgebildet sein würde.

Wie lange ging es, bis Sie dann tatsächlich unter den besten zwölf waren?

Zunächst habe ich mich mit Insta-gram-Bildern über das Internet beworben. So kam ich in die Vorauswahl für das Casting in Salzburg. Dort wurden Fotos gemacht und ich wurde interviewt. Natürlich wurde auch über den Bezug zur Landwirtschaft gesprochen. Der nächste Schritt war ein Auswahlverfahren mit Abstimmungen im Internet. Vier Wochen später wusste ich, dass ich fest dabei bin. Ich war unter den Top 12 aus ursprünglich etwa 300 Bewerbern.

Und Sie sind der erste Baden-Württemberger, der im österreichischen Kalender drin ist, oder?

Das stimmt. Das macht mich auch ein wenig stolz (lacht).

Wo wurden dann die Bilder für den Kalender gemacht?

Das Shooting war in der Steiermark in Österreich. Dazu ging es für drei Tage in ein Wellnesshotel. Dort trafen sich alle Models, auch die Frauen. Wir hatten dort gemeinsam eine Menge Spaß und ein tolles Programm. Es war für alles gesorgt. Alles war top organisiert. Das Highlight war natürlich das Shooting mit den professionellen Fotografen.

Wie war es, sich vor der Kamera auszuziehen?

Eigentlich habe ich kein Problem damit, wobei ich mir im Vorfeld schon meine Gedanken gemacht habe. Ich wollte auf gar keinen Fall komplett nackt abgelichtet werden, aber ich stehe zu meinem Körper und zeige ihn gerne. Ich trainiere ja schließlich auch sechs Mal die Woche (lacht). Deshalb hatte ich kein Problem, mich so fotografieren zu lassen. Das Bild hat ja letztlich auch eine gewisse Ästhetik.

Was war die größte Herausforderung?

Unglaublicherweise die Zeit (lacht). Es war so, dass mein Shooting-Termin der erste war, obwohl ich mit Abstand die längste Anreise hatte. Ich war etwa neun Stunden im Auto, bin im Hotel angekommen und musste quasi sofort vor die Kamera. Das war schon hart, völlig müde auch noch performen zu müssen.

Wie war das dann für Sie?

Eigentlich war ich fix und fertig wegen der langen Anreise. Ich war überhaupt nicht entspannt. Alles ist auf mich eingeflogen. Am nächsten Tag kam der Fotograf Chris Wiener noch einmal zu mir und bot mir ein zweites Shooting an, was ich gerne angenommen habe. Bemerkenswerterweise wurde dann aber doch ein Bild vom ersten Shooting genommen.

Simon Stier in Lederhose.
Simon Stier in Lederhose. Bild: Privat

Was haben Ihre Eltern zu dem Bild gesagt?

Meine Mutter war begeistert. Sie sagte, dass es zu mir passen würde, „das passt zu unserem Sunniboy“. Mein Vater war zunächst eher zurückhaltend. Als er das Bild dann sah, war auch er begeistert und stolz auf den Erfolg seines Sohnes. Auch meine Geschwister stehen voll und ganz hinter mir, wobei auch sie zunächst etwas skeptisch waren.

Und was sagt Ihre Freundin dazu?

Gar nichts, denn ich bin tatsächlich aktuell Single. Ich bin also noch zu haben (lacht).

Kennen Sie jemanden, der den Kalender gekauft hat?

Einige aus meinem Bekanntenkreis haben sich den Jungbauernkalender tatsächlich gekauft. Einer hängt sogar in meiner Lieblingskneipe. Einer ging nach Toulouse nach Frankreich. Wer noch einen Kalender möchte, muss sich beeilen, denn die meisten sind bereits verkauft. Die „Girls-Edition“ ist bereits ausverkauft. Leider werden keine nachgedruckt.

Hat sich bei Ihnen durch das Shooting etwas verändert?

Ich denke, mein Blick auf die Dinge hat sich schon etwas geändert. Ich bin durch die Aktion noch etwas selbstsicherer geworden. Ich kann es mir durchaus vorstellen, in Zukunft öfter mal als Model zu arbeiten. Das hat wirklich riesigen Spaß gemacht. Solche Bilder geben mir zudem Motivation, weiter fit zu bleiben und zu trainieren. Ich hoffe, dass sich in Zukunft noch die eine oder andere Möglichkeit für ein Foto-Shooting oder sogar für einen Videodreh bietet. Ich bin jedenfalls für vieles offen.