Kaum zu glauben, aber wahr: Dieses Jahr feiern wir bereits zum zweiten Mal Weihnachten unter ganz besonderen Voraussetzungen. Immer noch hat uns Corona fest im Griff, immer noch bestimmt die Pandemie den Alltag und immer mehr als je zuvor spaltet dieser Virus die Gesellschaft. Ich freue mich auf ein Fest der Liebe und auf ein paar ruhige Tage.Und genau das wünsche ich Ihnen, liebe Seewoche-Leserinnen und -Leser auch.

Reiner Jäckle.
Reiner Jäckle. Bild: SK One

Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann ist das die Rückkehr zu etwas mehr „Wir“. Die aktuelle Lage ist gefährlicher als viele vermuten. Die Gesellschaft entzweit sich immer weiter. Auf der einen Seite ein kleiner Teil, der immer aggressiver und lauter agiert. Auf der anderen Seite eine Mehrheit, die das (noch) über sich ergehen lässt, auch wenn es teilweise unerträglich ist. Jeder darf seine Meinung sagen, keine Frage. Aber bitte nur dann, wenn er andere Meinungen auch zulässt und nicht auftritt, als hätte er die Weisheit mit Löffeln gegessen. Außerdem sollte mit Worten argumentiert und keine hohle Parolen gedroschen oder gar Steine geschmissen werden.

Eines sollte bei der ganzen Sache nie vergessen werden: Wir sitzen alle in einem Boot. Und wir sollten alle ein kleines bisschen mehr auf den anderen achten und Respekt und Toleranz zeigen. Das, was zählt, ist das „Wir“ und nicht das „Ich“. Leider scheinen wir immer mehr zu einer „Ich-Gesellschaft“ zu verkommen. Viel zu viele agieren nach dem Motto „Jedem das Seine, mir das Meiste“. So funktioniert eine Gesellschaft nicht. Oder mindestens nicht wirklich gut.

Vielleicht bringt die Weihnachtszeit ein bisschen Ruhe in die hitzigen Auseinandersetzungen und der eine oder andere macht mal ganz konkrete und konstruktive Gegenvorschläge, als immer nur zu brüllen: „So nicht“ und „Dagegen“. Hier halte ich es wie Cicero: „Die Hoffnung stirbt zuletzt!“ In diesem Sinne allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und jede Menge Gesundheit!