Am Freitag wurden die Rümpfe mithilfe von zwei Kranen ins Wasser gehievt und vor die Werft der BSB in Friedrichshafen geschleppt. Dort wurden beide Rümpfe aufgezogen und in die Halle gebracht. Zuvor wurden die Mittelsektion und die Rümpfe per Schwerlasttransport von der Werft in Stralsund nach Friedrichshafen gebracht.

Das Schiff mit dem Projektnamen Motorschiff (MS) „Artemis“ soll im Überlinger See zwischen Uhldingen und der Insel Mainau im Einsatz sein. Bis zu 300 Fahrgäste werden Platz auf dem Schiff haben. Für geringen Schiffswiderstand und Wellenbild wird es nach dem Katamaran-Prinzip gebaut. Um einen ökologischen ganztägigen Betrieb zu ermöglichen, fährt das Schiff mit 15 Stundenkilometern. In der Mittagspause sowie nachts wird der Akku nachgeladen.

Einsatz im Überlinger See

„In der Werft werden die Rümpfe und der Aufbaubereich jetzt zu einem kompletten Schiff verschweißt“, erklärt Christoph Witte, technischer Leiter und Mitglied der Geschäftsführung der BSB. Danach erfolgt der Innenausbau, der Einbau des Antriebs und der Batterien. Anschließend muss die gesamte Elektrotechnik, Elektronik und Automation geprüft und programmiert werden. Insgesamt arbeiten bis zu zehn Mitarbeiter der Werft Ostsee-staal, die als Generalunternehmerin beauftragt ist, am Schiff. „Wir liegen mit den Arbeiten voll im Zeitplan“, so Witte. So soll bereits im Frühsommer der Stapellauf stattfinden. Danach folgen Probefahrten und bereits im Sommer 2022 wird das Schiff im Überlinger See zwischen Uhldingen und der Insel Mainau fahren.

Ab Sommer soll das E-Schiff die Strecke Mainau-Unteruhldingen-Meersburg bedienen.
Ab Sommer soll das E-Schiff die Strecke Mainau-Unteruhldingen-Meersburg bedienen. Bild: BSB

Schiffsflotte im Wandel

Die BSB-Flotte ist derzeit im Wandel: Alle Schiffe sollen auf umweltfreundliche Antriebe umgestellt werden. „Das E-Schiff ist sozusagen der Auftakt von unserem großen Plan, bei allen Schiffen vom Kohlenstoff der fossilen Brennstoffe wegzukommen“, so Witte. Daher engagieren sich die BSB derzeit bei einer Vielzahl von alternativen Antriebsprojekten in der Schifffahrt. Vollelektrische Antriebe werden dabei nur ein Baustein sein. Das Ziel dahinter ist klar: „Wir möchten hier am Bodensee eine Modellregion für eine klimaneutrale Zukunft der Binnen-Fahrgastschifffahrt werden“, so Witte.

Der Bau der ersten gasbetriebenen Autofähre, die zwischen Konstanz und Meersburg, verkehren soll, ist in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten. Corona-Lockdown und die Insolvenz der Hamburger Werft Pella Sietas verzögerte die Fertigstellung des Schiffes. „Es sind noch einige rechtliche Fragen zu klären“, sagt BSB-Sprecher Josef Siebler dem Anzeiger. „Wir rechnen damit, dass wir in vier Wochen mit dem Weiterbau beginnen können.“ Die erste Autofähre, die mit flüssigem Erdgas statt Diesel fahren soll, liegt derzeit winterfest im Hafen in Staad.