Herr Appelt, schön, dass Sie Zeit haben. Oder soll ich Sie lieber Herr Staats-Trainer nennen?

Das ist definitiv der korrekte Ansatz. Da sehe ich mich (lacht). Allerdings fehlt mir noch der offizielle Auftrag. Diesbezüglich muss ich noch mit Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reden.

Und wie sähe dieser Auftrag aus?

Es geht vor allem um die sogenannte „Generation Ich“ zwischen 18 und 25 Jahren. Ich weiß, von was ich rede, denn meine Kinder sind auch in diesem Alter. Die bekommt man einfach zu gar nichts. Die wollen nicht arbeiten gehen und sitzen im Prinzip da, leben auf Kosten der Älteren und warten auf das bedingungslose Grundeinkommen. Keine Ahnung, was da passiert ist. Genau da muss der Staats-Trainer ran.

Stand-up-Comedian Ingo Appelt ist am Samstag, 2. Juli, um 20 Uhr im Welterbesaal in Unteruhldingen zu Gast.
Stand-up-Comedian Ingo Appelt ist am Samstag, 2. Juli, um 20 Uhr im Welterbesaal in Unteruhldingen zu Gast. Bild: Peter Schaffrath

Das ist ja logisch, sonst wäre der Appelt ja auch kein Appelt…

…das stimmt. Ich habe schon einiges Feedback auf mein Programm bekommen und werde das Gefühl nicht los, dass es ankommt. Teilweise sogar so, dass, je heftiger und gemeiner es ist, umso besser kommt es an. Das Schöne daran ist: Mir tut das gut und den Leuten tut es auch gut. Es geht einfach darum, auf einer relativ unkorrekten Art und Weise mit dem Irrsinn des Lebens umzugehen.

Das heißt, Sie leben und feiern die politische Unkorrektheit auf der Bühne?

Auf jeden Fall. Es gibt mir viel zu viel von der sogenannten Cancel Culture und von Leuten, die sagen, was man nicht sagen darf. Das geht mir gewaltig gegen den Strich. Ich war am 1. Mai für den DGB auf dem Kölner Heumarkt auf der Bühne, da wo sonst die Jecken feiern. Natürlich redete ich mit meiner schmutzigen Art, die auch ankam. Aber in der ersten Reihe stand ein Mädchen mit einem Flipchart vor der Bühne und schrieb darauf: „Ingo, wir wünschen uns ein niveauvolleres Programm“.

Was haben Sie dann gemacht?

Ich habe gefragt, ob sie Lehrerin ist. Sie sagte ja und ich sagte: Genau das ist unser Problem. Akademische Bevormundung des Proletariats. Ich stehe ja auch nicht bei Rammstein in die erste Reihe und schreie, mach mal bitte leise. Aber genau das passiert heute immer wieder.

Im September 2018 haben Sie schon einmal im Welterbesaal gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Ich weiß, dass es dort sehr schön ist. Ich arbeite zwar momentan sehr viel, dafür sehe ich etwas von der Welt. Aber so etwas wie in Unteruhldingen sieht man wirklich nicht alle Tage. Man hat das Gefühl, man kommt in eine eigene Kultur. Und das Gebäude ist natürlich auch ein Hingucker.

Ingo Appelt kommt mit seinem Programm „Der Staats-Trainer“ am Samstag, 2. Juli, um 20 Uhr in den Welterbesaal nach Unteruhldingen.
Ingo Appelt kommt mit seinem Programm „Der Staats-Trainer“ am Samstag, 2. Juli, um 20 Uhr in den Welterbesaal nach Unteruhldingen. Bild: Veranstalter

In Ihrem Tourkalender steht, dass Sie erst am 7. Juli in Dortmund den nächsten Auftritt haben. Werden Sie Ihre Zeit am Bodensee verlängern?

Das wird sicher schwer werden, aber ich versuche, so lange wie möglich zu bleiben. Der Tourplan ist leider nicht mein Arbeitsplan, denn aktuell bin ich unheimlich viel unterwegs. Leider habe ich nicht so viel Freizeit. Aber davon hatte ich auch genug in den letzten Monaten.

Im Interview vor vier Jahren haben Sie gesagt, dass Sie ein Wasserfrosch sind und es „einfach geil“ finden, in die Brühe zu hüpfen. Werden Sie die Chance nutzen, wenn Sie gerade mal 400 Meter vom Bodenseeufer auftreten?

Das werde ich auf jeden Fall unbedingt versuchen. Mal schauen, vielleicht muss ich dann eben nackt auf die Bühne (lacht). Aber gerade der Bodensee ist schon sehr reizvoll. Vielleicht schaffe ich es auch, wieder mit dem Tretboot zu fahren. Das habe ich das letzte Mal gemacht. Das war echt toll!

Wie haben Sie die Pandemie als Künstler überstanden?

Ich habe sehr viel gemacht. Ich war in Auto-Kinos und habe Zoom-Konferenzen gemacht. Und das nur, um irgendwie stattzufinden. Weniger der medialen Wirksamkeit halber, sondern eher deshalb, meiner Familie nicht auf den Sack zu gehen. Natürlich hat es auch etwas mit Suchtverhalten zu tun, denn applaustechnisch bin ich definitiv süchtig. Und diesbezüglich war ich in der Coronapandemie definitiv untervögelt (lacht).

Immer wieder sind Sie auch im Fernsehen zu sehen: als Comedian, Moderator und Gastgeber. Was gefällt Ihnen besser: Vor einer Kamera zu stehen oder live auf der Bühne?

Definitiv live auf der Bühne. Das ist mein Zuhause, da kenne ich mich aus und für das lebe ich. Das Fernsehen ist letztlich Mittel zum Zweck. Dort kann ich auch nicht wirklich das machen, was ich gerne machen möchte.

Die Fragen stellte Reiner Jäckle