Was mit einer Sammlung von Geschichten von den griechischen Inseln begann, wurde zwischenzeitlich zu einer Reha und schließlich zu einem Buch und einer Liebeserklärung an die Region im Mittelmeer. Rolf K. Regelmann lebt in Überlingen und ist ein passionierter Griechenland-Fan. „Ich war schon ungefähr 20 Mal auf den griechischen Inseln“, berichtet er. „Ich liebe die Region und wollte für Interessierte ein paar Reisetipps zusammentragen und vor allem den griechischen Alltag rüberbringen.“

Dann kam der Schlaganfall

Deshalb begann er 2020 zu schreiben. Er sammelte Eindrücke, Reisebeschreibungen und erinnerte sich dabei an persönliche Begegnungen mit Einheimischen. Es sollte eine Mischung aus Reiseführer, persönliche Tipps und vor allem ungewöhnliche Einblicke in den griechischen Alltag sowie Landschaftsbeschreibungen werden. „Ich wollte einmal etwas ganz anderes machen“, sagt der Überlinger. Doch er kam nur bis Seite 26. Dann traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag: Er erlitt im Dezember 2020 einen Schlaganfall.

Der Überlinger Autor Rolf K. Regelmann mit seinem Buch.
Der Überlinger Autor Rolf K. Regelmann mit seinem Buch. Bild: Rolf K. Regelmann

Schreiben als Therapie

„Es hat mich richtig erwischt“, erinnert er sich. „Ich war bis Februar 2021 in der Reha und bin immer noch in Therapie.“ Als er seinen Therapeuten von dem Buchprojekt erzählte, waren diese sehr angetan. Nicht nur vom Inhalt, sondern vor allem davon, dass Rolf K. Regelmann das Ganze an der Tastatur tippte. „Ich habe mehr als vier Monate gar nichts mehr hinbekommen“, erzählt er. „Dann habe ich im April wieder begonnen, weiterzuschreiben.“

Große Anstrengung

Es sei unheimlich schwer gewesen, weil er die Tastatur quasi komplett neu lernen musste. „Ich habe immer wieder die Buchstaben gesucht und hatte jede Menge Tippfehler in den Sätzen“, so der Überlinger. „Auch wenn es tierisch anstrengend war, war es doch eine sehr gute Therapie bezüglich der Feinmotorik.“ Und so entstand mühevoll Seite für Seite und Kurzgeschichte um Kurzgeschichte.

Bild: Rolf K. Regelmann

Im Buch geht es um eine Fahrt auf die ursprüngliche und wilde Vulkaninsel Nisyros. Dort lässt der Autor den Pro-tagonisten zur Ruhe kommen. Bei einer spontanen Wanderung ins Bergdorf Nikia lässt er seine Reisen in die griechische Inselwelt Revue passieren. Dabei gibt es berührende Erlebnisse mit den Griechen, herrliche und beeindruckende Orte, die es lohnt zu besuchen, und natürlich das Meer. Immer wieder ist zu spüren, wie beeindruckt Rolf K. Regelmann von der griechischen Mentalität ist. „Die Menschen dort sind pragmatisch, freundlich und entspannt“, sagt er. „Das Leben wird nicht so tierisch ernst genommen.“

Viele Plätze kennt er persönlich

Die meisten Plätze, die im Buch beschrieben werden, hat der Überlinger auf seinen Reisen in den vergangenen 30 Jahren selbst besucht. So schafft er es, authentische Eindrücke mit kleinen, unterhaltsamen und vor allem persönlichen Anekdoten und Erlebnissen zu unterhaltsamen Reisebeschreibungen zu vereinen. Rolf K. Regelmann hat damit nicht nur eine Herzensangelegenheit zu Ende gebracht, sondern das Buchprojekt wurde für ihn auch zu einer heilsamen Therapie. Im August war das Buch „Der Wanderer von Nisyros“ fertig, die Therapie und der Weg zurück in den Alltag fast genau ein Jahr nach dem Schlaganfall dauert für Rolf K. Regelmann allerdings noch an.