In zwei Tagen ist es so weit: In Peking beginnen die Olympischen Winterspiele. Vom Deutschen Olympischen Sportbund DOSB, dem nationalen Spitzenverband, wurden 149 Athleten aus 15 Sportarten nominiert. Mit dabei auch acht Wintersportler aus dem Gebiet des Skiverbandes Schwarzwald (SVS) und einer aus Konstanz. Einige davon haben sogar gute Medaillenchancen. „Unsere Hoffnung auf Schwarzwälder Olympiastarter ist voll aufgegangen, bis auf den kleinen Wermutstropfen, dass wir durch die Nicht-Nominierung von Manuel Faisst und Fabian Rießle erstmals seit langer Zeit in der Nordischen Kombination nicht vertreten sind“, erklärt Manfred Kuner aus Triberg. Disziplinübergreifend räumt der Verbandspräsident den Olympia-Startern aus dem Schwarzwald allerdings durchaus „Chancen auf fünf oder sechs Medaillen ein“.

Strahlt mit der Sonne um die Wette: Paul Berg (SC Konstanz GER) auf dem Weg zur Siegerehrung und dem Sprung auf Platz drei beim FIS Weltcup Snowboard SBX Feldberg.
Strahlt mit der Sonne um die Wette: Paul Berg (SC Konstanz GER) auf dem Weg zur Siegerehrung und dem Sprung auf Platz drei beim FIS Weltcup Snowboard SBX Feldberg. Bild: Hahne, Joachim

Snowboard Crosser Paul Berg

Das größte Kontingent aus dem Verbandsgebiet stellt das Team der Snowboard-Crosser. Für Paul Berg ist es nach Sotchi 2014 und Pyeongchang 2018 bereits die dritte Olympia-Teilnahme. Hier dürfen dem 30-jährigen vom SC Konstanz an einem guten Tag auch reelle Chancen auf einen Podestplatz eingeräumt werden. Er ist im Snowboard-Cross-Team sicherlich derjenige mit der meisten Erfahrung. Allerdings reist er mit „gemischten Gefühlen“ nach China, wie er selbst sagt. „Die Spiele werden sehr speziell“, sagt er. „Es ist zwar das größte Sportevent, das es gibt, aber die Gefühle sind schon zwiegespalten.“

Paul Berg befürchtet, dass es ein olympisches Feeling, von dem viele Sportler immer schwärmen, gar nicht geben wird. „Der Kontakt zu anderen Sportlern, Nationen, Sportarten ist doch das, was das Leben im olympischen Dorf ausmacht“, erklärt er. „Das wird in der aktuellen Situation schwierig zu realisieren sein. Außerdem läuft auch immer die Angst mit, sich anzustecken und dann nicht an den Wettkämpfen teilnehmen zu können.“

Im November noch musste Paul Berg nach einer Verletzung am Sprunggelenk Weltcup-Rennen absagen. Über den Jahreswechsel kam er dann aber wie Phoenix aus der Asche zurück und qualifizierte sich für die olympischen Spiele. „Es war ein ambitioniertes Unterfangen, die Olympia-Qualifikation zu schaffen“, erzählt der Konstanzer. „Ich war vor dem ersten Wettkampf der Saison sehr skeptisch, ob es in diesem Winter überhaupt möglich ist, erfolgreich Snowboard Cross zu fahren.“ Nun ist er dabei, wobei er sicher nicht zu den Favoriten gehört. „Es wäre vermessen, eine Medaille zu erwarten“, sagt Paul Berg. „Trotzdem ist Snowboard Cross ein Sport, der schwer vorherzusehen ist und in dem alles passieren kann.“

Umito Kirchwehm hat den Sprung zu Olympia etwas überraschend geschafft.
Umito Kirchwehm hat den Sprung zu Olympia etwas überraschend geschafft. Bild: SNBGER/Frederik Nebas

Umito Kirchwehm

Als Senkrechtstarter unter den Snowboard-Crossern schaffte überraschend auch Umito Kirchwehm die Olympianorm durch einen dritten Platz beim Weltcup im Dezember im Montafon. Die Medaillenchancen für ihn sind in Peking nicht unbedingt groß, aber für den 21-Jährigen vom Skiclub Altglashütten ist jedenfalls der Traum vom olympischen Gedanken „dabei sein ist alles“ in Erfüllung gegangen.

Jana Fischer (SC Löffingen GER) ist beim Snowboard Cross dabei.
Jana Fischer (SC Löffingen GER) ist beim Snowboard Cross dabei. Bild: Hahne, Joachim

Jana Fischer

Jana Fischer vom SC Löffingen hat ein kleines Wunder geschafft. Für die Snowboard-Crosserin war der Olympia-Zug eigentlich schon abgefahren, denn am 19. November verletzte sie sich schwer: Schultereckgelenkssprengung auf der rechten Seite. Ihr wurden zwölf Wochen Pause aufgebrummt. Doch die 22-Jährige hat sich tatsächlich schneller zurückgekämpft als erwartet. Nur drei Monate nach dieser Horrordiagnose steht die Bräunlingerin wieder auf der Piste und hat die Möglichkeit, im Einzel- und Team-event um Medaillen zu fahren.

Daniela Maier (SC Urach / Deutschland) im Zielraum beim FIS Ski Cross Weltcup Feldberg.
Daniela Maier (SC Urach / Deutschland) im Zielraum beim FIS Ski Cross Weltcup Feldberg. Bild: Hahne, Joachim

Daniela Maier

Und wer hat die besten Karten auf Olympisches Edelmetall? Eine Kandidatin ist Daniela Maier. Für die 25-jährige Ski-Crosserin ist es der erste Start bei einem Großereignis. Zahlreiche Verletzungen verhinderten in der Vergangenheit immer wieder, dass sie bei Weltmeisterschaften oder auch Olympia dabei sein konnte. Eindrucksvoll meldete sich die Furtwangerin, die für den Skiclub Urach startet, im Olympia-Winter zurück. Im kanadischen Nakiska stürmte die symphathische Schwarzwälderin als Dritte auf das Podest – die Olympianorm war geschafft.

Bei den vorolympischen Wettkämpfen in Peking fuhr Daniela Maier auf die Ränge sechs und acht. Ein gutes Omen? „Eine Medaille ist in Reichweite, es braucht aber neben dem Können auch Glück“, so die Einschätzung von Vater Thomas Maier. Die Rennen in China werden die Eltern und viele Fans des SC Urach natürlich live vor dem heimischen Fernseher mitverfolgen und kräftig die Daumen drücken. „Ob eine Medaille in Reichweite ist, das weiß ich nicht“, übt sich Daniela Maier im Understatement. „Wie in allen Sportarten muss man erst den Wettkampf bestreiten. Meine Verletzung ist nun ziemlich genau ein Jahr her. Da habe ich am 10. Januar erst einmal auf das tolle Kreuzband angestoßen, es ist fest und stabil, habe keine Sorgen um das Knie und kann meinem Körper voll und ganz vertrauen. Das ist erst einmal das Wichtigste.“

Die Ski-Crosserin ist überglücklich, dass sie überhaupt die Nominierung für Olympia geschafft hat. „Ich freue mich, dass ich nach Peking fliegen, Deutschland, die Bundespolizei und meinen Verein bei den Olympischen Spielen repräsentieren darf“, sagt sie. „Ich fühle mich unheimlich geehrt, dabei sein zu dürfen, und freue mich, dass ich mir diesen Traum erfüllen kann.“ Enttäuschungen gebe es für sie kaum, denn sie fährt „einen Heat nach dem anderen“, auch wenn sie Träume hat: „Klar würde ich gerne ins Halbfinale kommen. Ich gebe jedenfalls mein Bestes und versuche, immer noch eine Schippe draufzulegen.“

Der Biathlet Benedikt Doll zählt zu den hoffnungsvollen Medaillenkandidaten.
Der Biathlet Benedikt Doll zählt zu den hoffnungsvollen Medaillenkandidaten. Bild: Hahne, Joachim

Zwei Biathlon-Starter

Aus dem Schwarzwald gibt es aber noch ein anderes ganz heißes Eisen im Feuer um Olympia-Medaillen: den Schwarzwälder Biathleten Benedikt Doll vom SZ Breitnau. Mit einem wahren Überraschungs-Coup beim Massenstart-Rennen von Antholz meldete sich der Sprint-Weltmeister von 2017 in Hochfilzen eindrucksvoll in der Weltspitze zurück. Der Schlüssel für olympisches Edelmetall liegt beim 31-Jährigen zweifelsohne am Schießstand. Bei den Rennen in Peking werden ihn seine Konkurrenten auf jeden Fall mindestens mit einem Auge verfolgen.

Roman Rees (SV Schauinsland) beim IBU Biathlon Weltcup Pursuit Herren 12,5 km Ruhpolding 2022
Roman Rees (SV Schauinsland) beim IBU Biathlon Weltcup Pursuit Herren 12,5 km Ruhpolding 2022 Bild: Hahne, Joachim

Ebenfalls im Biathlon mit dabei ist Roman Rees vom SV Schauinsland. In den Einzelrennen könnte er durchaus eine gute Rolle spielen, aber als heißer Medaillenkandidat wird er sicherlich nicht gehandelt, auch wenn er diesen Winter im Sprint schon einen zweiten Platz zu verbuchen hat. Für ihn, wie auch für Doll, ist vor allem die Staffel wichtig. Läuferisch stark verbessert, überzeugt der 28-jährige Roman Rees mit stoischer Ruhe am Schießstand. Eine Staffel-Medaille, wie zuletzt beim WM-Silber 2019 in Östersund, ist durchaus möglich.

Stephan Leyhe (SC Willingen) gehört zum deutschen Skisprung-Team.
Stephan Leyhe (SC Willingen) gehört zum deutschen Skisprung-Team. Bild: Hahne, Joachim

Skispringer Stephan Leyhe

Rechtzeitig vor Olympia ist Skispringer Stephan Leyhe wieder sehr gut in Form und springt regelmäßig unter den Zop 10 mit. Stephan Leyhe, der seit Jahren in Hinterzarten lebt, aber weiterhin für den SC Willingen startet, stellte seine Olympiaform zuletzt mit den Rängen acht und zehn beim Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt unter Beweis. In den Einzelspringen dürften die Trauben für eine Medaille für ihn noch ein kleines bisschen zu hoch hängen. Im Team-Wettkampf gilt Stephan Leyhe als gesetzt und darf sich hier mit Karl Geiger, Markus Eisenbichler sowie Constantin Schmid oder Pius Paschke berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille machen. Sogar der Sprung nach ganz oben scheint hier möglich zu sein.

Janosch Brugger (WSG Schluchsee / Deutschland) geht im Langlauf an den Start.
Janosch Brugger (WSG Schluchsee / Deutschland) geht im Langlauf an den Start. Bild: Hahne, Joachim

Langläufer Janosch Brugger

Vor einer Olympia-Premiere steht Langläufer Janosch Brugger. Der 24-jährige Junioren-Weltmeister von der WSG Schluchsee hat bei den Einzelrennen eine „Top Ten“-Platzierung im Visier. Diese sollte dann für den Lenzkircher Skating-Spezialisten auch eine Empfehlung für eine Nominierung für die DSV-Staffel über vier Mal zehn Kilometer sein.