Wer im Oktober durch den sommerlichen und blühenden Rosengarten im Überlinger Stadtgarten spazierte, wunderte sich sicherlich, warum auf einmal Leute die Blütenblätter der Rosen vorsichtig pflückten und sammelten. Neben den Stadtgärtnerinnen und Stadtgärtnern waren auch Silke und Herbert Senft dabei. Die beiden sind eigentlich für ihre hochprozentigen Destillate bekannt, aber weniger durch ihre Gartenkunst. Hinter der Aktion steckte aber genau diese Verbindung, denn Silke Senft hat gemeinsam mit der Überlingen Marketing und Tourismus (ÜMT) ein neues Projekt gestartet: den ÜberlinGIN.

Freuen sich über den neuen ÜberlinGIN (von links): Herbert und Silke Senft sowie Melanie Waltner und Meike Keller von der Überlingen Marketing und Tourismus.
Freuen sich über den neuen ÜberlinGIN (von links): Herbert und Silke Senft sowie Melanie Waltner und Meike Keller von der Überlingen Marketing und Tourismus. Bild: Jäckle, Reiner

Beliebter Gin

Im Zuge der Landesgartenschau gab es ja den Iris-Gin, der ebenfalls im Hause Senft destilliert wurde. Da dieser so gut angenommen wurde, sollte die Kooperation verlängert werden, aber es gab ja keine Landesgartenschau mehr. So wurde die Idee geboren, einen Gin zu kreieren, der buchstäblich aus Überlingen kommt. Schnell wurde der Stadtgarten als Lieferant auserkoren. Es war sogar ein Kakteen-Gin im Gespräch, „doch letztlich sollte es etwas Sommerliches, Fruchtiges werden“, erklärt die Edelbrand-Sommelière aus Rickenbach.

Silke und Herbert Senft im Oktober bei der Rosenblätterernte im Überlinger Stadtgarten.
Silke und Herbert Senft im Oktober bei der Rosenblätterernte im Überlinger Stadtgarten. Bild: Überlingen Marketing und Tourismus GmbH

Rose & Zedern

„Wir haben uns entschieden, dass zum einen die Rose und zum anderen die Zedern-Bäume für Überlingen charakteristisch sind“, erklärt Melanie Waltner von der Überlingen Marketing und Tourismus. Und ihre Kollegin Meike Keller fügt hinzu: „Und deshalb waren Silke und Herbert Senft beim Pflücken der Rosenblätter und den Zedern-Spitzen im Stadtgarten mit dabei.“ Damit kommt ein Teil des Inhaltes des ÜberlinGIN tatsächlich aus der früheren Reichsstadt.

Dry Gin

Es sollte auf jeden Fall ein Dry Gin werden. „Das bedeutet, dass keine künstlichen Aromastoffe und auch kein Zucker zugesetzt werden dürfen“, erklärt Silke Senft. Er besteht also ausschließlich aus natürlichen Aromen. Natürlich sind die Botanicals wie Wachholderbeere oder Orange und Zitronengras mit dabei. Insgesamt besteht der ÜberlinGIN aus insgesamt 25 Zutaten. In welchem Verhältnis sie stehen, bleibt ein großes Geheimnis.

Video: Reiner

Bei der Verarbeitung wurde viel ausprobiert und getestet. „Wir haben die Rosenblätter mehrere Wochen in Alkohol ziehen lassen“, berichtet Silke Senft. „Normalerweise werden Botanicals 24 Stunden eingelegt, aber bei den Rosenblättern haben wir einfach mehr Zeit gebraucht, um den Geschmack zu bekommen.“ Das intensiv riechende Zedernholz gibt dem Getränk die würzige Note.

Finales Abschmecken

Der ÜberlinGIN ist tatsächlich ein Gemeinschaftsprodukt der ÜMT und der Destillerie Senft, denn das finale Abschmecken fand mit allen Beteiligten statt. Dabei wurde die Brennerei in Rickenbach zu einer wahren Versuchsküche. „Wir haben uns da schon zwei bis drei Stunden Zeit genommen“, berichtet Silke Senft. „Am Ende stand die Zusammensetzung der Botanicals dann fest.“ Im Anschluss wurde gebrannt und Ende November abgefüllt. In punkto Etikett zeigte sich die Agentur b.lateral aus Sipplingen kreativ. Neben der Rose und dem Zedernzweig sind sogar Bodenseewellen oben und unten integriert.