Es war an Weihnachten 2019. Im Hause Stübner-Drach aus Stetten war Oma zum Essen zu Gast. Und es sollte etwas Besonderes geben: Rindsrouladen. Da die ganze Familie zwischenzeitlich vegan lebt, gab es natürlich doppelten Aufwand, denn es wurde Oma gesagt, dass man natürlich richtige Rindsrouladen mache. Und es war ein Traum. Oma war hin und weg. „Sie sagte, dass sie sogar fast besser schmecken würden als ihre eigenen“, erinnert sich Enkel Janis Stübner und fügt schmunzelnd hinzu: „Da mussten wir dann die Katze aus dem Sack lassen.“ Das, was Oma gegessen hatte, war vegan, ohne Fleisch und ohne jegliche tierischen Produkte.

Das Staunen war natürlich groß. Und Oma war auch nicht sauer – ganz im Gegenteil: „Sie sagte, dass sie das Rezept unbedingt wolle“, erzählt Vater Gregor Stübner-Drach. „Dann haben wir es ihr aufgeschrieben und gegeben.“ Es blieb nicht bei dem einen Rezept, denn Oma war so begeistert, dass sie gerne mehrere wollte. „Da haben wir gedacht, dass wir ihr ein kleines Rezeptbuch zusammenstellen“, erinnert sich Lena Stübner. „So richtig mit Rezepten, Bildern und Beschreibungen.“

Bild: Privat

Und dann kam Corona: In diesem Fall war das sogar Glück, denn Janis Stübner, der damals in den Niederlanden studierte, kam genauso nach Hause wie Lena Stübner. Also standen regelrechten Küchenschlachten nichts mehr im Wege. „Die Küche war der tägliche Treffpunkt“, so Gregor Stübner-Drach. „Meine Frau flüchtete teilweise, weil es manchmal tatsächlich wie auf einem Schlachtfeld aussah.“ Mit Fotoapparat und Handy wurde alles festgehalten. „Das war unser gemeinsames Corona-Familienprojekt“, sagt der Vater. Hobby-Fotograf Janis Stübner richtete sich im Keller zwischen Mineralwasser und Bier ein Food-Foto-Studio ein, so dass jeder Teller für die Ewigkeit festgehalten werden konnte.

„Unser Ziel war, dass wir Gerichte zusammenstellen, die zum einen mit Zutaten möglich sind, die man in einem gut sortierten Supermarkt bekommen kann und zum anderen einfach und recht schnell nachzukochen sind“, erklärt Janis Stübner. Seit Ende März 2020 stand das Trio etwa vier Monate lang regelmäßig in der Küche und hat experimentiert, gemixt, gerührt und geschüttelt – und immer wieder etwas Neues kreiert. Am Ende waren 24 Rezepte beisammen. Zuletzt wurden die Texte geschrieben und das Kochbuch für die Oma war fertig – so ganz nach dem Motto: „Was Oma noch nicht wusste“.

Als das vegane Kochbuch fertig war, wurde das Trio ermutigt, das Ganze doch einem größeren Kreis zugänglich zu machen, da es einen immer größeren Kreis an Veganern gibt. „So entstand die Idee, aus den Rezepten ein Buch zu machen“, sagt Gregor Stübner-Drach. „Es sollte aber kein normales Kochbuch werden.“ Deshalb gibt es zahlreiche persönliche Anekdoten und Oma-Zitate im Buch. Außerdem wird über Veganismus informiert. „Wir wollen keinesfalls moralisieren oder Leute bekehren“, betont Janis Stübner. „Wir wollen einfach zeigen, dass veganes Essen superlecker sein kann.“

Grundnahrungsmittel

Und das Geheimnis hört sich sehr einfach an: „Die Grundnahrungsmittel einer pflanzlichen Ernährung sind Getreide, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse, Nüsse und Samen“, erklärt Gregor Stübner-Drach. „Allein mit diesen Zutaten kann in unterschiedlichen Formen und Kombinationen eine enorm große Bandbreite an neuen Geschmackserlebnissen gezaubert werden.“ Der Vater, der selbst lange schon als Vegetarier lebte, konnte es anfangs auch kaum glauben, als er von seinem Sohn überzeugt wurde. „Veganes Essen ist durchaus abwechslungsreich, kreativ, voller neuer Aromen, gesund und vor allem überhaupt nicht schwierig“, betont Janis Stübner.

Mit dem veganen Kochbuch „Was Oma noch nicht wusste“ möchte das Familientrio aus Stetten den Beweis antreten. Eine weitere Besonderheit des Buches ist das Format. Es ist klein und handlich und soll so zum Begleiter im Alltag werden können. Mit dem Druckhaus Zanker in Markdorf haben die drei einen Partner gefunden, der alle Wünsche umsetzen konnte. „Die Resonanz ist überwältigend“, berichtet Lena Stübner. „Viele berichten uns immer wieder, wenn sie ein Rezept nachgekocht haben.“ Die erste kleine Auflage sei auch schon fast vergriffen.

Träume des Trios

Dieser Zuspruch lässt bei den veganen Rezepte-Machern einen weiteren Traum reifen: „Wer weiß, vielleicht ist das ja der Beginn einer noch größeren Reise“, sagt Gregor Stübner-Drach in die Zukunft blickend. „Manchmal reden wir drüber, wie es wäre, ein kleines veganes Restaurant zu haben.“ Träume sind dazu da, realisiert zu werden. Dann könnte man nicht nur Oma etwas Neues zaubern, sondern noch viel mehr Menschen.