Was haben die Profi-Boxer Firat Arslan, Simon Zachenhuber, Denis Radovan, Patrick Wojcicki, Leon Bunn, Emre Cukur, Uwel „Hector“ Hernandez, Kem Lundquist, Sophie Alisch und Jessica Schadko gemeinsam? Alle Vertrauen auf die Cutman-Künste des Überlingers Markus Schwer. Der 54-Jährige betreut seit 2017, als er ins Team Sauerland wechselte, Profi-Boxer in deren Kämpfen. Dabei geht es darum, sie in den Ringpausen eventueller Verletzungen zu versorgen, damit sie weitermachen können.

Vertrauen aufbauen

Allerdings ist das nur die handwerkliche Seite, denn Markus Schwer ist mehr als nur ein Betreuer in der Ringecke. „Man muss wissen, dass ein Boxkampf bis zu 80 Prozent im Kopf entschieden wird“, erklärt der Überlinger. „Deshalb muss ich als Cutman auch so etwas wie ein Psychologe sein.“ Schließlich sei er verantwortlich für das Wohlbefinden des Kämpfers. Und da ist das klassische Tapen und die Arbeit im Ring nur ein kleiner Teil. „Ich versuche, dass mir jeder Kämpfer blind vertraut, möchte ihm positive Energie und Rückhalt geben, dass er sich voll und ganz auf den Kampf konzentrieren kann“, so Markus Schwer. „Dazu sind viele Gespräche und jede Menge Empathie notwendig.“ Und die Profi-Boxer können sich komplett auf ihn verlassen.

Große Namen betreut

Die Akribie hat den 54-Jährigen, der in seiner Cutman-Laufbahn bereits in etwa 300 Profi-Boxkämpfen zum Einsatz kam, zu vier Weltmeisterschafts-Kämpfen sowie zwei Mal zur Ali Trophy geführt. Nun wartet allerdings ein Kampf, der bislang wohl zu seiner größten Herausforderung zählen dürfte: Am 16. Oktober wird der Überlinger in Riga den eigentlich bereits zurückgetretenen Artur Mann in seinem Kampf um die IBF Weltmeisterschaft gegen Mairis Briedis betreuen. Der 30-jährige Boxer beendete Ende Oktober nach fünf Jahren seine Profi-Karriere, hielt sich aber dennoch fit. Nach einer Anfrage zu einem Weltmeisterschafts-Kampf verkündete er kurzerhand den Rücktritt vom Rücktritt.

Der Traum von Wembley

„Es ist ein Traum, bei einem WM-Kampf in der Ringecke zu stehen“, so Markus Schwer. „Vor allem freue ich mich, dass auch endlich wieder Zuschauer dabei sein dürfen.“ In Riga werden mehr als 11.000 Zuschauer erwartet. „Ich muss mich selbst mental auf Artur Mann einstellen“, erklärt der Überlinger. „Hierzu gibt es bereits Wochen vor dem Kampf einige Gespräche.“ Im Vorfeld werden Wünsche, Rituale und Abläufe besprochen.

Rituale sind wichtig

„Ich hatte mal einen Boxer, der sehr orthodox gläubig war“, erzählt er. „Deshalb war die Aufgabe, eine orthodoxe Kirche in der Nähe der Sporthalle zu finden, in der er vor dem Kampf noch beten konnte.“ Firat Arslan beispielsweise bringt zu jedem Kampf sein eigenes Wasser mit. So haben viele Kämpfer ihre Eigenarten. „Diese zu akzeptieren und anzunehmen, wie sie sind, ist ganz wichtig und baut Vertrauen auf“, so der 54-Jährige.

Markus Schwer (links) und Artur Mann (rechts) sind bestens vorbereitet.
Markus Schwer (links) und Artur Mann (rechts) sind bestens vorbereitet. Bild: privat

Die Vor-Ort-Betreuung beginnt in der Regel einen Tag vor dem Kampf. „Wir verbringen viel Zeit miteinander“, so Markus Schwer. „Ich fokussiere mich voll auf den Sportler, lenke ihn ab, gebe Tipps zur Ernährung und versuche, jegliche Hektik rauszunehmen.“ Bevor diese Betreuung beginnt, heißt es Koffer packen. Mit dabei ist die große Tasche, die der Überlinger zu jedem Kampf mitbringt. „Ich kontrolliere vor jeder Abfahrt meine Utensilien“, sagt er. Im Koffer sind Adrenalin, Vaseline, Handschuhe, Glätteisen, Wattestäbchen und jede Menge Tapes und einiges mehr.

Hände als Kapital

Apropos Tapes: Für die Kämpfer geht es immer wieder um ihre Hände. Sie sind das Kapital eines jeden Boxers. „Ich versuche mich vor allem in punkto Tapen ständig weiterzuentwickeln“, so der Überlinger. „Die Boxer werden von mir so getaped, dass sie damit bis zu zehn Prozent mehr Schlagkraft haben.“ Wenn es dann an den Ring geht, beginnt der handwerkliche Teil für Markus Schwer. So wird es dann am 16. Oktober in Riga sein, wenn der Überlinger Artur Mann betreut.