Seit Wochen gehen in Rottweil sogenannte Spaziergänger auf die Straße, um gegen Coronamaßnahmen zu demonstrieren – das Geschehen hat auch regional für Aufsehen gesorgt. Nun sind organisierte Gegenveranstaltungen in der Oberen Hauptstraße entstanden. Die „Klepfer“, aktive und angehende Rössletreiber, hatten mit ihren „Goaßln“ am Montag eine angemeldete Veranstaltung gemacht und für lautstarken Protest gesorgt.

Menschenkette

Am vergangenen Montag gab es die dritte Menschenkette in Rottweils Oberer Hauptstraße, als Gegendemonstration zu den sogenannten Spaziergänger.
Am vergangenen Montag gab es die dritte Menschenkette in Rottweils Oberer Hauptstraße, als Gegendemonstration zu den sogenannten Spaziergänger. Bild: Marcel

Nicht spalten, sondern „wieder zueinander kommen“ und für Dialog werben, das wollten laut einer Pressemeldung die Teilnehmer der inzwischen dritten Montags-Menschenkette mit etwa 200 Teilnehmern (siehe Foto: Marcel). Mit dabei waren Mitglieder der Grünen, des Forums für Rottweil, des Stadt- und Kreisjugendrings. Es gab auch eine Mahnwache für die an Corona Gestorbenen, dann eine Menschenkette.

Am Montag kam es aber insgesamt zu großem Polizeiaufgebot, Verhaftungen und aggressiven Szenen. Die Organisatoren der Menschenkette, federführend Elke Reichenbach (Forum für Rottweil) und Peter Bruker (Grüne), wollen nun mit einem neuen Konzept den „Spaziergängern“ ein Gesprächsangebot machen – in einem digitalen Meeting. Sie wollen den Gegenübern die Hand reichen, dafür gibt es am kommenden Montag – passenderweise dem Valentinstag – statt einer Menschenkette ein digitales Meeting.

Ein erster Schritt

„Wir wollen den ersten Schritt tun“, so Peter Bruker. Argumente sollen ausgetauscht werden, auch Frust abgelassen werden können. Als neutrale Person soll Christoph Plum moderieren. Das Ziel: Argumente austauschen, offen reden, auch Kritik sowie Fragen sammeln, die an Stadt, Kreis und Ministerien geschickt werden. Man werde dann im Sinne aller auf Antworten pochen, heißt es.

Die Veranstalter hoffen, dass damit ein neuer Dialog möglich ist. Peter Bruker betont aber, dass die Gruppe der „Spaziergänger“ das Gesprächsangebot auch nutzen müsse, statt erneut in Rottweil zu demonstrieren. Sonst würden auch sie am 21. Februar wieder auf der Oberen Hauptstraße vor Ort präsent sein.

Bleibt zu hoffen, dass beide Seiten aufeinander zugehen können.

Auch die Kreis-SPD ist mit im Boot. Für sie stellte Mirko Witkowski klar, dass man „gerne die Hand ausstrecken möchte“. Weil es sich hier aus seiner Sicht weniger um das Thema „Impfpflicht“, sondern vor allem um die Frage drehe, mit wem man hier auf die Straße gehe – und dass sich die „Spaziergänger“ von Rechtsaußen vereinnahmen lassen würden. Diese Motivation unterstützt auch der Stadtjugendring. „Es geht darum, in welcher Gesellschaft hier demonstriert wird“, gibt Benjamin Albrecht zu bedenken.

Teilnehmen

Nun hoffen die Veranstalter, damit den Konflikt aus der Innenstadt zu holen und hoffen auf rege Teilnahme im Online-Meeting für bis zu 500 Teilnehmer. Infos dazu auch per Email: rottweil-sagt-ja@gmx.de, und der Link (noch inaktiv) zur Veranstaltung am Montag, 14.2., ab 17.45 Uhr: https://t1p.de/miteinanderreden.