Fußball-Torhüter, so sagt man, können auch jenseits der Grenze von 40 Jahren noch zwischen den Pfosten stehen und Top-Leistungen bringen. Weltweit gibt es dafür zahlreiche Beispiele, wie der Engländer Gordon Banks, der Russe Lew Jaschin, die Italiener Dino Zoff und Gianluigi Buffon oder der Ungar Gabor Kiraly. Auf der Baar sorgt jetzt ein Mann für Furore, für den 40, 50 oder 55 Jahre keine Grenze darstellen. Markus Erath vom Schellenberg-Sport-Club (SSC) Donaueschingen steht kurz vor seinem 59. Geburtstag und ist immer da, wenn er gebraucht wird. So auch schon in dieser noch jungen Saison, als beim SSC der etatmäßige Schlussmann Christian Podschull ausfiel und Erath im Punktspiel gegen die SG Riedöschingen zwischen die Pfosten musste. Damit dürfte der gebürtige Möhringer welt- und deutschlandweit ganz vorne stehen.

„Ich will keinem jungen Torhüter seinen Platz wegnehmen. Ich sehe mich eher als Back-up für den Notfall. Dafür halte sich mich fit“, sagt Erath, der beim SSC zudem als Assistent von Trainer Jürgen Fischer arbeitet und die Torhüter hauptverantwortlich trainiert. Mit Fischer freundete sich Erath vor Jahren beim FC Grüningen an, als beide die Damenmannschaft trainierten und seitdem immer zusammen blieben. Der SSC ist nun bereits die vierte gemeinsame Station.

Durch diese Hände kommt kein Ball. Markus Erath steht dem Kreisligisten SSC Donaueschingen als Co-Trainer, und wenn es sein muss, auch als Torhüter zur Verfügung.
Durch diese Hände kommt kein Ball. Markus Erath steht dem Kreisligisten SSC Donaueschingen als Co-Trainer, und wenn es sein muss, auch als Torhüter zur Verfügung. Bild: Zschäbitz, Dietmar

Erath begann seine Laufbahn beim Heimatverein FV Möhringen. Doch bevor die Karriere richtig Fahrt aufnahm, was sie auch schon vorbei. „Mit 18 Jahren zog ich mir einen Kreuzbandriss zu. Danach war erst einmal Schluss mit Fußball“, sagt der Routinier, der heute in Villingen wohnt. Erst zwölf Jahre später, mit inzwischen 30 Jahren, folgte das Comeback unter Trainer Dieter Rinke beim FV Donaueschingen. Dort lernte Erath auch seine Frau kennen, die beim FVD in der Damenmannschaft spielte.

Ein Mannschaftssportler

Weiterhin machte Erath, der als Betriebsleiter einer Dreherei arbeitet, die Knieverletzung zu schaffen und einmal mehr hängte er die Kickschuh an den berühmten Nagel. „Ich habe es danach mit den Radsport versucht und bin auch Rennen gefahren. Auch das war eine schöne Zeit, wenngleich es ein einsamer Sport ist. Ich habe schnell die Mannschaft um mich herum vermisst. Ebenso das Gruppentraining“, sagt der Familienvater, der daraufhin die Kickschuhe wieder putzte und auch anzog. Bis heute. „Fußball ist einfach meine Welt. Für mich ist es daher auch kein Stress, 18.30 Uhr aus der Firma zu kommen und gleich ins Training zu gehen. Leider haben viele talentierte Jugendliche heute nicht mehr die gleiche Einstellung.“ Einheiten von ein- bis eineinhalb Übungsstunden stehen dann mindestens zweimal in der Woche an.

Unterdessen hat sich Markus Erath im Fußball noch ein zweites Standbein geschaffen. Er ist in der Kreisliga als Schiedsrichter aktiv. Die Inspiration dazu kam von Sohn Yannick, der schon länger Spiele leitet. „Vor rund zehn Jahren habe ich mich dafür qualifiziert. Ich bin also ein Späteinsteiger.“ Nun gehören die Wochenenden noch mehr dem Fußball. Samstag Spiel oder Betreuung der ersten Mannschaft des SSC, Sonntag die Spielleitung als Unparteiischer – oder umgekehrt. „Glücklicherweise kommt meine Frau auch aus dem Fußball und akzeptiert meine Leidenschaft“, ergänzt Erath, der sich kein zeitliches Limit gesetzt hat. „Ich plane aktuell nur von Jahr zu Jahr und fahre gut damit.“ Grenzen hat Erath längst gesprengt und sollte er wieder einmal gebraucht werden, wird er bereits sein. Das Alter zählt da eher nicht – allein die Leistung. Und die stimmt beim (Aushilfs)-Schlussmann des SSC. Auch mit fast 59 Jahren.