Die 24. Olympischen Winterspiele sind Geschichte, das Olympische Feuer ist erloschen, die Olympische Flagge wurde von China an Italien übergeben, den Ausrichter der Winterspiele im Jahr 2026. Mit großen Hoffnungen auf Edelmetall sind die acht Schwarzwälder Olympioniken zu den Olympischen Winterspielen nach Peking gestartet. Die Ergebnisse war zufriedenstellend, aber disziplinübergreifend ein Tick zu wenig, um tatsächlich olympisches Edelmetall mit nach Hause nehmen zu können. Oft waren es auch die äußeren Einflüsse, wie eisige Temperaturen und widrige Windverhältnisse bei den Biathlon-Wettkämpfen, die den einen oder anderen Medaillentraum am Schießstand platzen ließen. Unter dem Strich wird für die Starter aus dem Verbandsgebiet des Skiverbands Schwarzwald eine Medaille in die Statistik der Olympischen Spiele eingehen. Wir haben mit der Bronze-Medaillengewinnerin im Ski-Cross, Daniela Maier (SC Urach) aus Furtwangen über ihren Erfolg gesprochen.

Daniela Maier (SC Urach) aus Furtwangen.
Daniela Maier (SC Urach) aus Furtwangen. Bild: Hahne, Joachim

Hallo Daniela Maier, wo erreiche ich Sie gerade?

Daniela Maier: Ich bin schon wieder in Russland, sitze in unserem Appartement in Sunny Valley, wir haben den nächsten Weltcup hier. Es passt ganz gut, die Anreise ist reibungslos abgelaufen.

Ski-Cross Weltcup in Russland in einer politisch schwierigen Phase. Was bekommen die Sportler davon mit, welche Gefühle und Gedanken beschleichen Sie dabei?

Ich habe alles bislang nur am Rande mitbekommen. Unsere Trainer haben schon versucht während der Olympischen Spiele alles von uns weg zu halten, dass wir nicht beeinflusst werden. Es ist sehr beängstigend muss ich sagen, dass wir ausgerechnet jetzt den Weltcup in Russland haben. Die Verantwortlichen beim DSV haben alles auf dem Schirm. Wenn es hart auf hart kommt, werden wir ganz schnell nach Hause fliegen.

Kommen wir zurück zum Sport. Einige Tage sind vergangen, haben Sie den Gewinn der Bronzemedaille mit ein wenig Abstand nun schon realisieren können?

Ja, immer besser. Manchmal überkommt es mich wieder, es ist verrückt, dass ich eine Medaille gewonnen habe. Es ist natürlich ein wunderschönes Gefühl, die ganzen Ski-Crosser kommen zu mir und gratulieren. Mittlerweile habe ich es realisiert, es ist alles mega schön.

Es war ein dramatisches olympisches Ski-Cross Finale, mit einem Happy End für Sie. Erst Rang vier, dann der Jury-Entscheid des Internationalen Skiverband (FIS), das Sie doch Dritte geworden sind. Wollten Sie die Bronzemedaille erst gar nicht annehmen?

Ich würde niemals eine Medaille abstreiten, aber für mich war es im ersten Moment nicht ganz ersichtlich, warum jetzt der Platz gewechselt wird, weil ich ja auch nicht den Rundum-Blick habe. Im ersten Moment war es für mich ein ganz normales Ski-Cross-Verhalten, weil niemand unfair eine Medaille gewinnen will. Als mir das alles erklärt wurde, hat es ganz anders ausgeschaut.

Bronze für Daniela Maier. Es ist dies die erste Medaille im Ski-Cross für den Deutschen Skiverband. Wie stolz macht Sie dies?

Das macht mich sehr, sehr stolz. Erstens weil es meine eigene erste Medaille ist, es ist irgendwie surreal, dass ich hier Geschichte geschrieben habe. Ich freue mich mega für das ganze Team, weil wir in den letzten Jahren immer zusammen gehalten haben, weil wir bei Großereignissen nie unsere wahre Leistung zeigen konnten, es war irgendwie der Wurm drin. Ich bin einfach ultra stolz.

Sie haben immer wieder die tolle Community in der Ski-Cross-Family beschrieben. Glauben Sie, dass das gute Miteinander durch den Jury-Entscheid irgendwie Kratzer bekommen hat, sich das jetzt ändern könnte?

Nee, nee. Das auf keinen Fall. Wie gesagt, es haben mir schon viele gratuliert, auch die Schweizer Ski-Crosser. Es passt alles wie zuvor. Klar haben die Schweizer versucht über den Protest noch etwas zu erreichen. Das würde meine Nation aber wohl auch machen, wenn es anders herum wäre. Die sind sauer auf die Jury, aber es hat mit meiner Person gar nichts zu tun.

Wie haben denn Ihre Eltern und der heimische Skiclub den Wettkampf erlebt und wahrgenommen?

(lacht). Das habe ich anfangs gar nicht gewusst. Die haben im Gemeindehaus in Urach eine große Leinwand aufgebaut und haben unter Coronabedingungen mit Maske zusammen das Rennen verfolgt. Das war ganz cool, wie meine Eltern erzählt haben. Mit einem Glas Sekt wurde dann natürlich noch gefeiert.

Daniela, Sie hatten schon zahlreiche schwere Verletzungen, die Sie immer wieder zurückgeworfen, aber nie aus der Bahn gebracht haben. Ist die Medaille auch der Lohn für die lange Rekonvaleszenz und das harte Training für eine erfolgreiche Rückkehr in das Wettkampfgeschehen?

Ja, genau. Definitiv. Gerade mit der Knorpelverletzung vor fünf Jahren war alles auf der Kippe, ob es künftig noch geht, Ski-Cross fahren zu können. Das war eine langwierige Geschichte. Auch der Kreuzbandriss war natürlich eine schwere Verletzung. Ich bin so dankbar für die Leute, die mich unterstützt haben, die teilweise mehr an mich geglaubt haben, als ich selbst, die mich motiviert haben weiterzumachen und geduldig zu bleiben. Das ist nun der Verdienst für die harten Jahre, wie ich mich da durchgekämpft habe.

Zahlreiche Trophäen und Medaillen früherer Schwarzwälder Teilnehmer bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften haben ihren Platz im Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten gefunden. Wo findet Ihre Bronzemedaille den Ehrenplatz?

Oh, das ist eine gute Frage. Momentan schläft sie noch mit mir im Bett (lacht). Keine Ahnung, da muss ich mir erst noch einen Platz überlegen. Es wird sich bestimmt ein schöner Platz finden.

Olympische Winterspiele in China, Menschenrechtsverletzungen, dazu das Ganze in Zeiten von Corona, es waren spezielle zwei Wochen im Reich der Mitte. Wie haben Sie die Winterspiele wahrgenommen und wie sieht das persönliche Fazit abseits der Skipiste aus?

Ich kann nicht großartig über politische Themen reden, da ich keine Politikerin bin. Die Chinesen haben sich viel Mühe gegeben und gut organisiert. Wenn man Probleme hatte, konnten sie gut helfen. Auch mit Blick auf Corona wurde für ausreichend Sicherheit gesorgt. Unter diesen Umständen haben sie das Beste daraus gemacht.

Wie geht es nun weiter, wie sieht Ihre Planung bis zum Ende der Weltcup-Saison aus?

Wie gesagt, wir sind schon in Russland. Da stehen am Wochenende zwei Weltcups an. Dann geht es zum Weltcup auf die Reiteralm nach Österreich und dann noch das Weltcup-Finale. Da werde ich bei allen Rennen nochmals Gas geben, Spaß haben und einfach genießen. Und dann schauen wir, was dabei rauskommt.

Vielen Dank für das Telefonat, Viel Glück für die Weltcups und bleiben Sie gesund!

Die Fragen stellte Joachim Hahne