Rund 510 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die Grund- und Werkrealschule in Donaueschingen. Gelernt wird hier analog im Gleichklang mit den digitalen Medien. Und die können sich sehen lassen. Netzfähige Computer in den Klassenzimmern, Tablets oder digitale Tafeln bieten den entsprechenden Mehrwert im Unterricht, der mit dem Einbinden von Videos oder Bildern interaktiv und modern gestaltet wird. Auch das Teilen von Lerninhalten auf die Smartphones der Schüler, die mit zeitdefinierten Vouchers oft eigenständig im pädagogischen Netzwerk arbeiten dürfen, ist bereits Alltag. Junge Menschen fit für die künftigen

Anforderungen im Beruf zu machen, heißt das Ziel. Für die Lehrkräfte bedeutet dies viel Vorbereitung und regelmäßige Fortbildungen, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Dabei scheut Rektor Wolfram Möllen beim technischen Know-how auch den Austausch mit älteren Schülern nicht. „Das sind die Digital Natives“, schmunzelt er.

Mehr Medienkompetenz
gefordert

Doch bevor es an die Tastaturen oder Displays geht, wird in den ersten und zweiten Klassen der Grundschule das Lesen und Schreiben erst einmal analog geübt, genauso wie das klassische Recherchieren zu verschiedenen Themen in der schuleigenen Bibliothek. Obwohl der Schulleiter den neuen Medien positiv gegenübersteht, lehnt er den freien Zugang zum Internet für Grundschulkinder ab. „Eltern, die ihren Kindern ein Smartphone kaufen, müssen sich im Klaren darüber sein, dass diese die Welt in der Tasche haben“, sieht er die Erziehungsberechtigten in der Pflicht. „Es gibt genügend technische Möglichkeiten, die das wahllose Downloaden von Inhalten verhindern. Auch Zeitbegrenzungen lassen sich digital einrichten.“ Auf diese Weise könne ein medienbewusster Umgang, zu dem für Möllen auch das Achten von Persönlichkeitsrechten zählt, ohne rigorose Verbote erreicht werden.

Klasse kreativ

Trotz aller Fortschrittlichkeit kommen Kreativität und das gemeinsame Spielen nicht zu kurz. Und als Vorleseschule greifen die Lehrer oft vor dem eigentlichen Unterricht für ihre Schüler zum Buch. Das komme gut an und stärke gleichzeitig die Kompetenz des Zuhörens. Zahlreiche Arbeitsgemeinschaften wie Fußball, Basteln, Indoor- und Outdoorspiele oder eine Theatergruppe fördern den Einfallsreichtum und den Zusammenhalt der Schüler untereinander und bringen auf diese Weise manchmal unentdeckte Talente zum Vorschein.

Hauptschulabschluss als
Perspektive

Auch wenn Wolfgang Möllen die Motivation vieler Eltern nachvollziehen kann, die sich für ihre Kinder nach der vierten Klasse den Übergang auf ein Gymnasium wünschen, sei eben nicht jeder Schüler oder jede Schülerin dafür geeignet. Deshalb stehe das Wohl und die individuelle Förderung der Kinder immer an erster Stelle.

Vor allem für eher praktisch begabte Schüler mit einem guten Zeugnis stünden die Chancen auf einen Ausbildungsplatz besonders im Handwerk derzeit bestens, wirbt der Schulleiter für den oft zu Unrecht geschmähten Hauptschulabschluss. „Aufgrund des enormen Fachkräftemangels suchen etliche Firmen aus der Region händeringend nach geeigneten Bewerbern, um diese während, aber auch nach der Ausbildung entsprechend zu qualifizieren“. Dies habe sich wieder einmal beim jährlich stattfindenden Ausbildungsforum im Oktober gezeigt. „Unser Bildungssystem ist durchlässig“, sagt er zum Schluss. Und nicht selten sei ein solider Hauptschulabschluss der Start in ein erfolgreiches Berufsleben.