Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen Jahren ihre Spuren auch beim Einzelhandel hinterlassen. Nun ist es die Energiekrise sowie eine hohe Inflation, die die Kaufkraft der Kunden ausbremst. Im Gespräch mit dem STAZ erzählen die beiden Vorsitzenden des Gewerbevereins Donaueschingen Zahrah Kanstinger und Stefan Baur über die Situation der lokalen Händler, und ob das Weihnachtsshopping in diesem Jahr tatsächlich vor dunklen Ladenzeilen stattfinden wird.

Wie ist die Stimmung bei den Händlern vor Ort, und mit welchen Gefühlen starten die Ladenbesitzer in das Weihnachtsgeschäft?

S. Baur: Der Einzelhandel ist ja durch Corona bereits gebeutelt worden. Dabei hat uns natürlich auch die Konkurrenz aus dem Online-Handel ordentlich zugesetzt. Jetzt ist es die Energiekrise, bedingt durch den Ukraine-Krieg, die uns zu schaffen macht. Es sind im Augenblick einfach viele Unsicherheiten im Spiel. Doch nur zu jammern, bringt nichts. Deshalb machen wir das Beste aus der Situation. Die Kunden möchten von uns Händlern ja auch mit einem freundlichen Gesichtsausdruck empfangen werden.

Z. Kanstinger: Ich würde mal sagen, die Stimmung unter den Einzelhändlern ist vorsichtig optimistisch, aber wesentlich besser als im vergangenen Jahr. Man darf ja einkaufen. Deshalb starten wir positiv gestimmt in das Weihnachtsgeschäft.

Stefan Baur.
Stefan Baur. Bild: privat

Das Kaufverhalten der Kunden hat sich in den vergangenen drei Jahren deutlich verändert. Was ist anders geworden?

Z. Kanstinger: Das ist zweigeteilt. Es gibt viele Kunden, die einfach günstig im Internet kaufen wollen. Doch die Mehrheit achtet bereits seit Jahren viel mehr auf Qualität und möchte den Einzelhandel vor Ort unterstützen. Die Wertschätzung für unsere Arbeit ist gewachsen. Auch die Möglichkeit, spezielle Dinge individuell anfertigen zu lassen, wird gerade auf Weihnachten wieder nachgefragt.

Gibt es eigentlich Lieferengpässe für bestimmte Produkte?

Z. Kanstinger: Ja, vor allem für Markenprodukte. Diese sind zwar meist beim Hersteller verfügbar, werden aber oft nicht mehr an uns Händler weiterverkauft, weil die Gewinnmarge für die Hersteller so viel größer ist.

Überall soll Energie eingespart werden. Dazu zählen unter anderem Straßenbeleuchtungen, aber auch die Innenbeleuchtung der Schaufenster. Weihnachtsshopping also vor dunklen Ladenzeilen?

Z. Kanstinger: Nein. Denn das ist eine Frage des Sicherheitsaspekts. Überhaupt steht niemand gerne vor dunklen Schaufenstern. Und zur Präsentation der Ware ist die Beleuchtung auch tagsüber wichtig. Dafür sparen wir Energie bei elektrischen Geräten, die wir konsequent dann abschalten, wenn sie nicht benötigt werden.

S. Baur: Zur Beleuchtung der Schaufenster, der illuminierten Bäume in der Innenstadt und der Weihnachtsbäume setzen wir energiesparende LED ein. Wir nennen das eine emotionale Beleuchtung, die auch für die Kunden in dieser Zeit wichtig ist. Dafür wird auf die sonst üblichen Sterne in den Straßenzügen verzichtet.

Aufgrund der steigenden Energiekosten denken vielerorts bereits einige Ladenbesitzer über reduzierte Öffnungszeiten, aber auch Geschäftsaufgaben nach. Müssen wir uns künftig auf mehr Leerstände in der Innenstadt einstellen?

Z. Kanstinger: Momentan gehe ich nicht davon aus. Wenn es Leerstände gibt, versuchen wir diese zeitnah wieder zu füllen. Das City-Management bemüht sich in diesem Fall, passende Nachfolger zu finden. Doch Fakt ist: Wir Händler in Donaueschingen sind gerne für unsere Kundschaft da.

Können die Einzelhändler aufgrund der aktuellen Krise mit finanzieller Unterstützung von Seiten der Politik rechnen?

S. Baur: Mit der Energiepauschale soll ja der Abschlag für Gas im Dezember übernommen werden. Zur Diskussion steht ebenfalls die Unterstützung für kleinere Unternehmen, also auch für den Einzelhandel. Das alles ist wohl noch in Arbeit und schwierig. Da wissen wir noch nicht so genau, was im Endeffekt bei uns ankommt.

Wie gut werden Aktionen wie die „Kulinarische Einkaufsnacht“ oder das Herbstfest von den Kunden angenommen?

S. Baur: Sehr gut. Gerade auch die „Kulinarische Einkaufsnacht“ ist ein absolutes Highlight, das außerdem ein überregionales Alleinstellungsmerkmal genießt und bei dem viele Besucher kommen. Auch die Händler sind zufrieden.

Gibt es aus Ihrer Sicht bei diesen Veranstaltungen noch Verbesserungspotential?

S. Baur: Wünschenswert wäre, dass Städte und Gewerbevereine sich besser miteinander abstimmen, damit solche Veranstaltungen nicht parallel laufen oder zu zeitnah aufeinander folgen.

Welche weiteren Einkaufsevents könnten Sie sich noch vorstellen?

Z. Kanstinger: Einige Einzelhändler ergreifen selbst schon die Initiative und organisieren ab und zu unter der Woche einen speziellen Abend für ihre Kunden. Verkaufsoffene Sonntage dürfen in Baden-Württemberg hingegen nur in Verbindung mit einer Veranstaltung wie beispielsweise dem Frühlings- oder Herbstfest oder den Musiktagen stattfinden.

Green Week, Black Friday – der Online-Handel boomt weiterhin mit wahren Rabattschlachten. Wie überzeugt der Einzelhandel potenzielle Käufer von den Vorteilen vor Ort?

Z. Kanstinger: Hier punktet der lokale Einzelhandel mit seinem Fachwissen und seiner Beratung. Oft hat der Kunde ein bestimmtes Produkt zwar schon im Internet gesehen, entscheidet sich aber aufgrund des Verkaufsgespräches dann doch für eine andere Ware, weil es einfach besser passt. Dazu kommt für die Käufer das Wissen um einen Ansprechpartner vor Ort. Qualität und Wertigkeit lassen sich direkt im Geschäft besser einschätzen. Der Kunde kann die Ware direkt sehen und anfassen. Zusätzlich haben wir den Vorteil unserer inhabergeführten Geschäfte. Das kommt bei den Kunden gut an, die aus diesem Grund teilweise bis aus Titisee-Neustadt den Weg nach Donaueschingen finden. Außerdem legen wir großen Wert auf nachhaltige Produkte und umweltschonende Verpackungsmaterialien.

Wie sieht es mit der Produktpalette in Donaueschingen aus?

S. Baur: Wir sind keine Großstadt und können schon allein deshalb kein Komplettsortiment anbieten. Das schaffen wir einfach nicht. Deshalb dürfen wir uns auch beispielsweise nicht mit Stuttgart oder Freiburg vergleichen. Ich denke, dass wir uns langfristig spezialisieren müssen und auch Produkte anbieten, die nicht zum Standardsortiment gehören, von denen der Kunde aber sicher weiß, dass er sie in Donaueschingen bekommen kann.

Gibt es eigentlich „die“ klassische Zielgruppe, die lokal einkauft?

Z. Kanstinger: Das ist die Zielgruppe, die die Stadt liebt, sich ihr verbunden fühlt, und die sich eine lebendige und attraktive Innenstadt wünscht. Das ist nicht an eine bestimmte Generation gebunden.

2020 wurde das City-Management
e. V. #wirfürDONAU gegründet. Ein paar Monate später nahm City-Managerin Christine Neu ihren Dienst auf. Was hat sich seither getan?

Z. Kanstinger: Durch das City-Management wurde die Kommunikation zwischen der Stadt und dem Gewerbeverein erheblich gefördert. Mittlerweile gibt es beispielsweise an vielen Samstagen Mini-Veranstaltungen, um die Attraktivität der Stadt zu verbessern. Der neue Donaueschinger Adventsmarkt ist auch eine Veranstaltung des City-Managements.

Welche Aufgaben und Ziele werden im Gewerbeverein umgesetzt?

Z. Kanstinger: Wir vertreten die Interessen unserer Mitglieder aus den Bereichen Industrie, Handwerk, Dienstleistungen und Handel und sind deren Ansprechpartner. Wenn es Probleme gibt, versuchen wir gemeinsam Lösungen zu finden, auch auf der Basis von Rechtsgrundlagen. Gemeinsame Werbeaktionen und eine gute Vernetzung untereinander gehören ebenfalls zu unseren Aufgaben.

Gibt es schon Pläne und Ideen für das kommende Jahr?

S. Baur: Wir haben mit der Donauquelle und dem Donauzusammenfluss, mit unserer tollen Gastronomie sowie vielen Veranstaltungen ein großes Potenzial, das immer wieder Besucher in die Stadt bringt. Deshalb gilt es, neue Ideen und frische Konzepte gemeinsam mit den Einzelhändlern zu entwickeln. Hier müssen wir uns auch als Gewerbeverein etwas bewegen, um auch in Zukunft unseren Kunden immer wieder etwas zu bieten.