Organspende nach dem Tod – ja oder nein? Viele Leser holten sich bei unserer Telefonaktion dazu mehr Informationen. Hier einige Fragen und darauf die Antworten des Expertenteams der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Gibt es inzwischen in Deutschland mehr Organspenden?

Leider nicht. Die Situation hat sich in jüngster Zeit sogar verschlechtert. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) meldet für das erste Quartal 2022 einen Einbruch der Organspenden von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Was habe ich davon, wenn ich einen Organspendeausweis ausfülle?

Eigentlich spielt das alles ja erst nach meinem Tod eine Rolle. Der Vorteil ist: Sie können jetzt, im Vollbesitz Ihrer geistigen und körperlichen Kräfte, rechtlich-verbindlich Ihre Entscheidung für oder gegen eine postmortale Organ- und Gewebespende dokumentieren. Damit haben Sie die Möglichkeit, selbstbestimmt festzulegen, was mit Ihrem Körper im Fall des unumkehrbaren Ausfalls Ihrer gesamten Hirnfunktionen geschieht. Andernfalls müssten Ihre Angehörigen diese Entscheidung fällen. Das wäre für sie eine große zusätzliche Belastung.

Müssen sich die Ärzte und meine Angehörigen an die Entscheidung im Organspendeausweis halten?

Ja, der Organspendeausweis ist ein rechtlich gültiges Dokument. An die dort niedergeschriebenen Entscheidungen müssen sich Angehörige und Ärzteschaft halten. Damit es im Ernstfall nicht zu Überraschungen oder Unstimmigkeiten kommt, ist es hilfreich, die persönliche Entscheidung zur Organ- und Gewebespende im Familien- und Freundeskreis bekannt zu machen.

Warum muss ein Hirntoter, dem man Organe entnehmen will, künstlich beatmet werden?

Ein hirntoter Mensch kann nicht mehr selbstständig atmen. Ohne maschinelle Beatmung führt der eintretende Sauerstoffmangel unweigerlich zum Herz-Kreislauf-Stillstand und zur Schädigung der Organe. Durch maschinelle Beatmung und Medikamente wird die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems aufrechterhalten. Da unter diesen Bedingungen die Organe weiter durchblutet werden, besteht die Möglichkeit, Organe für die Transplantation zu entnehmen.

Mein Onkel steht auf einer Warteliste für eine Nierentransplantation. Woher würde er die Niere bekommen?

Die Transplantationszentren geben die Patientendaten auf den Wartelisten an die Stiftung Eurotransplant weiter. Die Stiftung Eurotransplant ist eine gemeinnützige Organisation. Sie vermittelt und koordiniert den internationalen Austausch aller Spenderorgane in einem Verbund aus acht europäischen Ländern: Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Slowenien und Ungarn. Eurotransplant gleicht die Daten Ihres Onkels mit den Daten der gemeldeten Spenderinnen und Spender ab. Passen die Merkmale zusammen und ist Ihr Onkel an der Reihe, leitet Eurotransplant den weiteren Transplantationsprozess ein.

Wie entscheidet Eurotransplant, wer zuerst ein Spenderorgan bekommt

Entscheidend für die Reihenfolge ist zum Beispiel, dass Gewebemerkmale zwischen Spendenden und Empfangenden möglichst übereinstimmen. Auch Größe, Alter und Körpergewicht sowie die Transportdauer des Organs können eine Rolle spielen. Hinzu kommt die Dringlichkeitsstufe. Besteht Lebensgefahr, erhält sie oder er die Stufe „hoch dringlich“ und wird bei der Vermittlung bevorzugt.